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Medienkolumne "Unser Beitrag" zu "Fleabag" in der Mediathek:Gut verhütet

Unser Beitrag
(Foto: Steffen Mackert)

Ist das ein Scherz? Wie die ARD der britischen Serie "Fleabag" den Keuschheitsgürtel anlegt. Was die Öffentlich-Rechtlichen senden, Folge 10.

Von Christiane Lutz

Es ist ein geschickter Zug der ARD, sich Fleabag zu krallen. Denn die britische Serie gehört zu den lustigsten und coolsten Produktionen, die in den vergangenen Jahren gemacht worden sind. Das liegt vor allem an Phoebe Waller-Bridge, Produzentin und Hauptdarstellerin. Sie spielt eine Frau in London, die ziemlich wenig darauf gibt, was sie mit Anfang dreißig sein oder tun sollte. Es kommt ein Meerschweinchen-Café vor, ein sehr schöner Jumpsuit, tränenverschmierte Mascara und und ein "hot priest", ein sexy Pfarrer. Die Serie ist seit 2017 auf Amazon Prime zu sehen, zwei süße Staffeln kurz. Nun ist sie auf ARD One um 22 Uhr zu sehen und in der Mediathek. Hurra.

Ach nee, Moment mal. Zum Anschauen ist die Einrichtung eines Kundenkontos nötig, die Inhalte seien nicht geeignet für Jugendliche unter 16 Jahren. Zur Erinnerung: hot priest. Und es gab da doch auch diese eindeutige Szene, in der Barack Obama eine zentrale Rolle spielte. Also Mailadresse eingegeben, los geht's. Ach nee, doch nicht. Bitte Altersnachweis mit dem Personalausweis erbringen. Schon klar, immer noch nicht jugendfrei. Kurz darüber nachgedacht, was eigentlich alles im Fernsehen jugendfrei zu sehen ist und ob Fleabag wirklich so viele erotischere Szenen hat? In jedem Traumschiff wird auch ziemlich viel geknutscht.

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Was die Öffentlich-Rechtlichen senden - eine Sammlung an persönlichen Eindrücken. Alle Folgen finden Sie hier.

Zurück auf die Startseite, wieder nichts: "Die folgende Sendung ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet", steht da, "das Video darf deshalb nur zwischen 22 und 6 Uhr angeboten werden."

Ist das ein Scherz? Die ARD bittet Menschen, ihre Personalausweisdaten abzugeben, und dann lässt sie sie nicht die Privilegien genießen, die mit dem Alter einhergehen sollten? Das ist der doppelt verknotete Keuschheitsgürtel. Das ist, als dürfe man ab 18 Jahren zwar Kondome kaufen, aber nicht benutzen, es könnte ja ein 16-Jähriger mitkriegen. Geseufzt. Vor 22 Uhr eingeschlafen.

Du willst „Fleabag“ sehen? Dann hier entlang zur Seite unseres Kooperationspartners Just Watch*:

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© SZ/tyc
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