ARD-Film über Udo Jürgens Merci, chérie

Mit Hits wie "Siebzehn Jahr', blondes Haar" wurde Udo Jürgen Bockelmann alias Udo Jürgens zur Wonne seiner Zeit. Schon drei Jahre vor seinem runden Geburtstag verfilmt die ARD die Familiengeschichte des großen Unterhaltungskünstlers.

Von Hermann Unterstöger

In drei Jahren begeht Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag, und da werden es die Fernsehanstalten schwerhaben, ihn so zu feiern, wie es ihm als einem der größten Unterhaltungskünstler der Gegenwart zukommt. Selbst wenn die Prominenz des ganzen Universums zusammenliefe und in einer Gala zu Protokoll gäbe, mit welchen Gefühlen sie damals "Siebzehn Jahr', blondes Haar" erlebte: Was wäre das gegen einen Film, der Udo Jürgens in Dimensionen zeigt, deren Weite man höchstens mit Begriffen wie "Buddenbrooks" oder "Doktor Schiwago" umschreiben könnte?

David Rott und Udo Jürgens bei der Premiere von "Der Mann mit dem Fagott": Rott verkörpert den Star bei aller Genialität als zarten, scheuen Jüngling.

(Foto: dpa)

So einen Film hat die ARD nun zum 77. Geburtstag des großen Mannes drehen lassen: den Zweiteiler Der Mann mit dem Fagott, der auf Jürgens' autobiographischem Roman basiert und schon im Titel allerlei Wundersames wachruft - vom Mann mit dem Goldhelm bis hin zum Jungen mit der Mundharmonika. Das Fernsehmagazin rtv sieht darin ein "Jahrhundertepos", und Programmdirektor Volker Herres hat das Gefühl, dass sich die Zuschauer "als Teil der Familie" empfinden werden.

Die Familie, von der Herres spricht, ist nicht die ARD oder die Degeto oder das vielgliedrige Konsortium, das den Mann mit dem Fagott realisiert hat. Es ist vielmehr die Familie Bockelmann, die unter anderen den weiland Frankfurter Oberbürgermeister Werner B. hervorbrachte, den Künstler Manfred B. sowie vor allem jenen Udo Jürgen B., der sich später Udo Jürgens nannte. Als dieser wurde er zur Wonne seiner Zeit, sofern man denn bereit ist, die Hervorbringungen der leichten Muse als das zu nehmen und anzuerkennen, was sie bei glücklicher Konstellation sind, nämlich respektable und sehr schöne Kunst.

Die Familiensaga der Bockelmanns beginnt 1891 auf dem Bremer Weihnachtsmarkt. Der junge Heinrich Bockelmann, Udo Jürgens' Großvater, hört einen Fagottisten russische Melodien blasen, woraufhin er beschließt, nach Russland auszuwandern und dort sein Leben aufzubauen. Der Erfolg ist mit ihm, ebenso der Mann mit dem Fagott, der die Familie über die Generationen hinweg fast leitmotivisch begleitet. Heinrich wird Bankdirektor und führt in Moskau ein großes Haus, bis die Revolution alles zunichte macht. Seine Leute können fliehen, Heinrich wird als vermeintlicher Spion in ein Lager deportiert, dessen Kommandant die Häftlinge süffisanterweise mit "Meine Cherren Gefangenen" anredet.

Gottlob gelingt unserem Cherrn Häftling später auch die Flucht, pikanterweise mit Hilfe eines Anarchisten namens Kropotkin. Um bei der Hauptlinie zu bleiben, so wird sein Sohn Rudi, also Udos Vater, Bürgermeister von Ottmanach in Kärnten. So nahe er den Nazis steht, so fern steht ihnen der kleine Udo, den es mit Macht an den Flügel zieht, auf dem er bereits als Kind das Dröhnen der Bomber täuschend echt nachmachen kann. Der schwächliche und auch recht ängstliche Bub muss zu den Pimpfen und erhält dabei eine solche Ohrfeige, dass sein Gehör lebenslang beeinträchtigt bleibt. Das ändert freilich nichts an dem Höhenflug, zu dem sich Udo erhebt - gegen den Willen seiner großbürgerlichen Familie und gegen die Pläne künstlerisch uninspirierter Produzenten. Der Film schildert den Aufstieg bis zum Grand Prix von 1966 in Luxemburg, den Udo Jürgens mit "Merci, Chérie" souverän gewinnt.

Filme dieses Genres sind in ständiger Gefahr, vom eigenen Pomp und von der in dem Fall unvermeidlichen Selbstfeier des Protagonisten erdrückt zu werden. Dass diese Gefahr im Mann mit dem Fagott umgangen wird, liegt zum einen an der die vielen Erzählstränge geschickt bündelnden Kunst des Regisseurs Miguel Alexandre, zum anderen an einem Aufgebot an Schauspielern, wie man es nicht alle Tage findet: Christian Berkel, Ulrich Noethen, Valerie Niehaus, Melika Foroutan, Herbert Knaup und insbesondere David Rott, der seinen Udo Jürgens als einen bei aller Genialität recht zarten, scheuen Jüngling spielt.

Der Mann mit dem Fagott, ARD, 29. und 30. September, jeweils um 20.15 Uhr