100. Folge von "Rosamunde Pilcher" Traum von wogenden Wiesen

"Wenn es um die Landschaft geht, dann muss sie irgendwie immer dramatisch aussehen. Idealerweise ohne andere Häuser in der Nähe, die das Kamerabild stören. Man darf keine Strommasten sehen, oder eine befahrende Straße," so der Illusions-Experte.

Typische Pilcher-Story: Zwischen Kate (Mariella Ahrens) und George (Patrik Fichte) entflammen alte Gefühle.

(Foto: ZDF/Jon Ailes)

Schließlich dürfen und sollen die Zuschauer träumen. Von Klippen und Brandungen, von raspelkurzem Rasen und wogenden Wiesen wie im Reiseprospekt. Nicht umsonst boomen Cornwall-Trips auf den Spuren von Pilcher.

Zum Dank für den Besucheransturm wurde sie übrigens mit dem "British Tourism Award" ausgezeichnet.

Last but not least ist der Pilcher-Erfolg Drehbuchautoren wie Christiane Sadlo zu verdanken. Die Hamburgerin schrieb viele der Skripte, kennt sämtliche Kniffe, um den Geschichten Theatralik zu verleihen. Oder Martin Wilke und Silke Morgenroth wie jetzt beim 100. Pilcher "Der gestohlenen Sommer", in dem die beiden um die Familie des reichen aber todkranken Schiffsmaklers Edward (Helmut Zierl), seiner jungen Frau Kate (Marielle Ahrens) und Kates Verflossenem (Patrik Fichte) ein Rührstück samt unehelichem Kind und Segelunfall strickten. Und auch wenn in den anderthalb Stunden Film von einer verheimlichten Krebserkrankung, einer unterstellten Affäre, Eifersucht sowie einem letzten Wunsch alles abgehandelt wird, geht die Story eigentlich doch nur eines: Herzklopfen.

Natürlich ist das reaktionär, das Familienidyll kitschig und von annodazumal, die Rollenvorstellungen überholt und die Menschen in den Filmen immer nur edel, hilfreich und gut. Klar, wissen wir: Das ist nicht die Wirklichkeit. Trotzdem. Durchschnittlich sehen sieben Millionen Zuschauer zu. Sie wollen am Sonntagabend vor allem eines: Abschalten vom Alltag, ein bisschen Herz, Schmerz und wieder Herz. Attraktive Menschen in ihren zauberhaften Behausungen und ein Happy End.

Mit einer Überdosis Gefühl in die neue Woche

Wer die Sehnsucht nach dieser heilen Welt nicht versteht, der hat sich das übrige Programm nicht angeschaut. In direkter Konkurrenz läuft die Mörderjagd "Tatort", aber gern auch mal Action oder dusselige Shows. Was spricht da gegen eine Überdosis Gefühl zum Ausklang des Wochenendes, bevor Montag wieder die Tretmühle beginnt?

"Pilcher ist prüde", weiß auch Drehbuchautorin Sadlo. Bei Pilcher gibt es kein Sex and Crime. "Sie lässt die Geschichte gern mal nur mit einem Kuss enden." Zum Träumen. So simpel ist das also: Kuss. Und Schluss.

Rosamunde Pilcher "Der gestohlene Sommer", ZDF, Sonntag, 20.15 UIhr

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