Wie fühlt sich das an?:Ein Absturz beim Klippenspringen

Lesezeit: 1 min

Wie eine Explosion: Der Australier Joey Zuber platschte bei einem Sprung aus 27 Meter Höhe auf die Wasseroberfläche.

Stephan Bernhard

"Ich stehe auf der Klippe am Wolfgangsee und blicke in die Tiefe. Die senkrechte Felswand ist 27 Meter hoch, das Wasser darunter mehr als 25 Meter tief - perfekt für Klippenspringer. Ich habe Respekt vor dem Sprung, meine Hände zittern. Aber der Wettkampf ist wichtig - bisher war ein zweiter Platz bei den Weltmeisterschaften mein bestes Ergebnis.

Wie fühlt sich das an?: Bei diesem Sprung verschätzte sich der Vize-Weltmeister.

Bei diesem Sprung verschätzte sich der Vize-Weltmeister.

(Foto: Foto: oh)

Heute möchte ich endlich ganz oben stehen - mit einem dreifachen Rückwärtssalto. Am Rand der Plattform spanne ich alle Muskeln an, gehe in die Knie und katapultiere mich in die Luft. Einen kurzen Augenblick schwebe ich, dann spüre ich die Schwerkraft, knicke in der Hüfte ein, umfasse meine Unterschenkel und leite den ersten Salto ein.

Den See oder die Felswand nehme ich nur noch als verschwommene Farben wahr. Am Ende des dritten Saltos strecke ich mich - und erschrecke: Die Wasseroberfläche ist nur noch zehn Meter entfernt, extrem wenig bei einer Fallgeschwindigkeit von 90 Kilometer pro Stunde. Die letzte Drehung ist nicht vollendet. Ich habe zu viel Vorlage.

Kurz über der Wasseroberfläche schließe ich die Augen. Zuerst tauchen meine Füße ins Wasser, dann explodieren meine Brust und Gesicht - so fühlt es sich zumindest an. Es ist, als ob ein Vorschlaghammer meinen Brustkorb trifft und die gesamte Luft mit Gewalt aus meiner Lunge drückt. Schon unter Wasser brennt meine Haut.

Am nächsten Tag fühle ich mich, als ob mich ein Bus gerammt hätte. Blaue Flecken und Prellungen übersäen meinen Körper, aber ich bin nicht ernsthaft verletzt. Glück gehabt. Ein anderer Springer brach sich am selben Tag das Steißbein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema