bedeckt München 28°

Stilkritik: Trendhund Mops:Den Mops wirft so leicht nichts um

Der Mops ist kräftig, ein Fels in der Brandung. Trotz seiner krisenkompatiblen Größe verfügt der Mops über ein beeindruckendes Körpergewicht von rund acht Kilogramm. Wer einen Mops an der Leine führt, kann sich den Hund noch leisten. Der Mops frisst gerne, und deshalb gehört nicht viel dazu, ihn zu einer lächerlichen Wurst zu mästen. Dafür wird er auch nicht weggeblasen, wenn der Wind einmal stärker weht. Und niemals wird er als "gedopte Ratte" beschimpft oder in ein pinkfarbenes Strickmäntelchen gesteckt - nunja, außer vielleicht von ein paar Münchner Society-Damen, die Mopspartys feiern und ihre Tierchen dann als Spiderman oder Lederdomina verkleiden. Doch selbst das trägt der Mops mit Fassung. Er ist nämlich überaus tolerant und begegnet auch den befremdlichsten menschlichen Eigenarten gänzlich unkritisch.

Mops; dpa

Auf der Suche nach der passenden "Trend-Töle" gehen manche Hundeliebhaber an Grenzen. Sie kreuzen schonmal Schnauzer und Pudel, um einen besonders schicken Begleiter an der Leine zu haben.

(Foto: Foto: dpa)

Höchstens die tiefen Sorgenfalten erzählen von den Bedenken, die hinter seiner krausen Stirn kreisen. Und wunderbarerweise machen sie unsere eigenen Probleme kleiner. Fiese Kollegen, Umweltprobleme, Finanzkrise - all das fällt ab von uns, wenn der Dicke seinen Nacken in Falten schlägt und mit seinem besorgten Blick zu uns emporsieht, der zu fragen scheint: "Alles ok, geht's Dir auch gut?" Und während jeder andere Hund sich angegriffen fühlt, wenn man ihm in die Augen sieht, freut sich der Mops ein Loch in den Bauch, wenn er einen Blick auffängt.

Nur der Mops gibt uns das Gefühl, gemocht und verstanden zu werden. Er ist bedingungslos ergeben, sucht die Nähe des Menschen und folgt einem überall hin. Und zwar auf Schritt und Tritt: Es soll Mopshalter geben, die nicht nur Tisch, Bett und Couch mit ihrem Liebling teilen, sondern selbst bis aufs Klo verfolgt werden. Der Mops ist die Fleisch gewordene Couchpotato. Er nimmt es nicht krumm, wenn der Urlaub am Mittelmeer ausfällt und sein Zuhause keinen Garten mit Pool hat. Der Mops war nie für etwas anderes als das Sofa gedacht.

Und noch etwas tut der Mops für den Menschen: Er ist der ideale Mitläufer. Wer einen dieser wandelnden Knautschzonen an der Leine führt, findet Anschluss - in Zeiten, in denen jede zweite Ehe in die Brüche geht und immer mehr Singles die Erde bevölkern, ein unbezahlbarer Vorteil. Und so kann es schon mal vorkommen, dass ein Spaziergänger spontan vor dem Tier niederkniet - nicht zuletzt wegen seiner geringen Größe - und ihm gerührt die faltige Haut glattstreicht.

Es wäre vermessen, zu behaupten, der Mops sei schön. Aber ist es nicht gerade das skurrile Äußere, das seine inneren Werte zur Geltung bringt? Ein edler Rhodesian Ridgeback wird sicher nicht wegen seiner sozialen Kompetenzen geschätzt. Muss er auch nicht. Wer aber so aussieht, wie der Mops eben aussieht, der muss einfach nett sein. Eine andere Chance hat er nicht.

Liegt es vielleicht daran, dass er gar kein Hund ist, der Mops? Loriot hat einmal gesagt: "Möpse sind mit Hunden nicht zu vergleichen. Sie vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen." In einem Punkt hat er sicherlich Recht: Kein Hund ist wie der Mops. Weil er nichts so sehr liebt wie den Menschen.

Eine Rasse gibt es, die den Mops ernsthaft an Beliebtheit übertreffen könnte. Die französische Bulldogge ist stark im Kommen. Sie ist noch bulliger als der Mops und steht noch fester im Leben mit ihren ausgestellten Beinen. Aber mal ehrlich: Wäre das gerecht?

© sueddeutsche.de/vs/bre/bgr
Zur SZ-Startseite