bedeckt München 24°

Stilduell: Spielerfrau werden:Kick it like Victoria

Im Bild der Öffentlichkeit gehört die Spielerfrau zum Fußballer wie der Stollen an dessen Schuh. Jetzt heiratet Philipp Lahm seine Claudia. Doch ist die Position der Spielerfrau wirklich erstrebenswert? Ein Pro und Contra.

Spielerfrau werden könnte eigentlich ganz nett sein, findet Franziska Seng.

WM 2010: Deutsche Spielerfrauen

Stars und Sternchen

Über das Dasein als Spielerfrau können Normalmenschen nur vage Vermutungen anstellen. Wie holde Erscheinungen wirken sie, die weit weg von Kameraobjektiven und Richtmikros auf den Tribünen thronen. Was sie flüstern, wenn sie sich an eine ihre Sitznachbarinnen wenden? Wir wissen es nicht. Wie sehr sie leiden, wenn ihr Mann einen Elfmeter an die Latte knallt? Wir werden es nie erfahren. Über manche von ihnen lesen wir in einschlägigen Postillen. Doch an deren Wahrheitsgehalt glauben wir ebenso wenig wie an die Existenz leiser Vuvuzelas.

Also müssen wir uns mit der Vorstellungskraft behelfen. Die kann beim Gedanken an ein Spielerfrauen-Dasein wunderbare Blüten treiben, wenn man etwa in einem typischen, vorstädtischen deutschen Bürohochhaus sitzt und tagtäglich zum Beispiel auf den suburbanen Güterwagenverschiebebahnhof oder einen Gnadenhof für altersschwache Tiere blickt.

Wie aufregend erscheint von hier das Leben einer Spielerfrau. Jedes zweite Wochenende Stilettos und Adiletten einpacken und im Komfort-Bus deutschlandweit verreisen, nach Wolfsburg, Frankfurt, Gelsenkirchen! Übernachten in Hotels mit kosmopolitem Flair (Best Western, Holiday Inn). Besuche beim Friseur und Nageldesignstudio werden als Werbekosten von der Steuer absetzbar!

Auch aus familienorganisatorischen Gründen scheint die Verbindung mit jeglicher Art von Ballexperten als vorteilhaft. Sobald die Kinder halbwegs auf zwei Beinen stehen, kann man alle zusammen nach draußen in den Garten zum Spielen schicken, während die Spielerfrau in Ruhe in ihrer goldrandigen Stieg-Larsson-Prachtausgabe schmökert oder die Strasssteinchen der Ed-Hardy-Kollektion aufpoliert. Für wertvolle Produktpflegetipps kurze SMS an Claudia Effenberg.

Am Abend haben sich die großen und kleinen Spieler nach der vielen Bewegung an der frischen Luft ausgetobt. Mit geröteten Bäckchen stürmen sie die gute Stube, sie sind hungrig und essen brav die angebrannten Makkaroni auf, bevor sie Trikots tauschen und sich ohne "Mami-wir-wissen-wo-dein-Auto-steht"-Protestgesänge gegenseitig zu Bett bringen. Jetzt hat die Spielerfrau Muße, um Fanpost und Werbevertragsangebote zu sortieren und zuzusehen, wie die großen und kleinen schlammverkrusteten Jogginghosen auf der Heizung ganz starr werden.

Und dann ist der Rasen immer so schön grün im Stadion. Als Spielerfrau wäre man umgeben von Feiervolk und dem herb-süßen Duft frischgetrimmten Grases. Im Leben dürften niemals mehr trübe Gedanken aufkommen.

In der Theorie hört sich das alles recht nett an. Doch was kann man tun, wenn man in einem vorstädtischen Bürohochhaus sitzt? Zum Beispiel das Zimmer des Kollegen mit Allianz-Arena-Blick besuchen, zusehen, wie die makellose Stadionhaut in der Sonne schillert und seufzen, weil das Spielerfrauenglück wohl ebenso unerreichbar ist wie eine FC-Bayern-Dauerkarte.