Skandal im spanischen Hochadel Des Königs zwielichtiger Schwiegersohn

So richtig standesgemäß war er nie: Iñaki Urdangarín, Ehemann der spanischen Infantin Cristina, verdiente sein Geld einst als Handballer. Doch während der Beruf Urdangaríns im spanischen Hochadel für Naserümpfen gesorgt haben mag, dürfte die jüngste Meldung über den Ex-Sportler König Juan Carlos den Angstschweiß auf die Stirn treiben: Sein Schwiegersohn soll in krumme Geschäfte verwickelt gewesen sein.

Von Javier Cáceres, Madrid

Es war eine ziemlich überraschende Nachricht, die Anfang 2009 verbreitet wurde: Der frühere Berufshandballer Iñaki Urdangarín, der 1997 in die Familie von König Juan Carlos eingeheiratet hatte und als solcher zu Noblesse gekommen war, zog mit Gattin Cristina und den vier gemeinsamen Kindern nach Washington. Der Herzog von Palma de Mallorca sollte dort den Kommunikationskonzern Telefónica repräsentieren.

Der Handballer und die Prinzessin: 1997 ehelichte Iñaki Urdangarín Infantin Cristina von Spanien - und wurde damit zum Königsschwiegersohn.

(Foto: AP)

Vor dem Hintergrund der neuesten Nachrichten dürfte es dem Königsschwiegersohn recht sein, dass ein Ozean zwischen seinem Domizil und der spanischen Heimat liegt. Denn: Urdangarín hat mit gewaltigen Filzvorwürfen zu kämpfen.

Vorgeschützter Altruismus

Urdangarín steht im Verdacht, sich in seiner Zeit als Vorsitzender einer Stiftung namens Instituto Nóos auf illegale Weise "öffentlicher Gelder bemächtigt" zu haben. Dies geht aus einem Hausdurchsuchungsbefehl hervor, den ein Ermittlungsrichter der Balearen auf Antrag der Staatsanwaltschaft unterzeichnete. Diese gelangte im Zuge ihrer Ermittlungen zur Überzeugung, dass Nóos im Gewande "einer Nichtregierungsorganisation" daherkam, den Altruismus nach Überzeugung der Ermittler aber bloß vorschützte, um diskret an staatliche Geldtöpfe zu kommen und reichlich Profit zu machen.

Im Zentrum stehen 2,3 Millionen Euro, die Nóos erhielt, um auf den Balearen Tagungen zu "Sport und Tourismus" zu organisieren, die nicht die geringste öffentliche Resonanz hatten. Dabei soll sich Nóos eines Netzes aus Firmen bedient haben, die überhöhte oder fiktive Rechnungen ausstellten - und am Montag durchsucht wurden.

Auch in Valencia organisierte Nóos seltsam belanglose Events. Und kassierte ebenfalls Millionensummen von der konservativen Regionalregierung.

Ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet Urdangarín im Zuge der Korruptions-Ermittlungen gegen den früheren Chef der balearischen Regionalregierung, Jaume Matas. In dessen Amtszeit (2003-2007) fiel der Bau einer Sporthalle namens Palma-Arena, die doppelt so teuer wurde wie veranschlagt: 100 Millionen Euro. Matas werden von der Staatsanwaltschaft Unterschlagungen in zweistelliger Millionenhöhe vorgeworfen.

Urdangarín vermittelte seinerzeit für die Palma-Arena den Kauf einer besonders teuren elektronischen Anzeigetafel. Urdangarín soll auch eine Provision kassiert haben, als er der Balearen-Regierung das Radprofiteam vermittelte, das unter dem Namen "Illes Balears" für eine Millionensumme für die Inseln Werbung machte. Zuvor war eine Bank als Mäzen abgesprungen.

Eine entscheidende Rolle bei all diesen Deals soll Urdangarín-Intimus José Luis Ballester gespielt haben, der unter Matas Sportminister der Balearen war. Der Segel-Olympiasieger soll Urdangarín und die Infantin Cristina bei den Spielen von Atlanta 1996 miteinander bekannt gemacht haben. Angesichts des Verwandtschaftsverhältnisses, das damals keimte, gilt es als sicher, dass die Staatsanwaltschaft der Balearen den Segen ihrer Madrider Chefs einholte.

Ein Sprecher des Königshauses gab sich zugeknöpft. Man habe Vertrauen in die Justiz, sagte er.

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