bedeckt München 27°

Sekten-Expertin Ursula Caberta:"Es gibt immer Leute, die Blödsinn glauben"

SZ: Und warum ist Nena gefährlich?

Caberta: Sie ist für ihre spirituellen Ausflüge bekannt - und sie redet gerne drüber. Mal war es Bhagwan, ein andermal wurde von ihren Kontakten zu einer Gruppe in Italien berichtet, die sich mit Astral-Nackt-Reisen beschäftigt. Es reicht leider nicht, zu sagen: Die Nena spinnt gerade ein bisschen. Man muss die Auswirkungen ihrer Berichte auf Andere bedenken. Es gibt immer mehr Leute, die so einen Blödsinn glauben.

SZ: Andere glauben an Engel und Dämonen.

Caberta: Stimmt. Aber bei den Astral-Leuten gibt es auch den Glauben, dass ihre Trips erst möglich sind, wenn man tot ist. Nicht bei allen, doch die Verwirrung ist groß. In meiner Beratung waren schon oft Leute, die sagen: Frau Caberta, mit der Sekte bin ich durch, aber meinen Astralkörper will ich behalten. Ja, sag' ich dann, mach doch. Aber lass deine Kinder damit in Ruhe. Wie soll jemand ein gesunder Erwachsener werden, wenn er glaubt, er hätte einen Astralkörper?

SZ: Ein Milieu, das Ihnen zufolge besonders anfällig für esoterisches Denken ist, sind die Grünen. Woran machen Sie das fest?

Caberta: An meiner eigenen politischen Erfahrung. Ich habe im Laufe der Jahre viele Abgeordnete der Grünen getroffen, die der Esoterik-Szene und der sogenannten alternativen Medizin derart aufgeschlossen gegenüberstehen, dass Kritik schon gar nicht mehr möglich ist. Das finde ich bedenklich.

SZ: Aber Politikerinnen wie Renate Künast gehen doch auf keine Astral-Nackt-Reisen.

Caberta: Vermutlich nicht. Aber ich kenne Grünen-Frauen aus Hamburg, die zumindest früher vor jeder Fraktionssitzung die Tarotkarten gelegt haben.

SZ: Im Fazit Ihres Buches schreiben Sie über esoterische Gruppen: "Eines haben sie alle gemeinsam: Sie können Menschen schädigen, gesundheitlich oder ,nur' finanziell." Wirklich? Wollen Sie allen Ernstes jede Form von Esoterik auf einen Haufen werfen - den armen, abhängig gemachten Scientologen mit dem muslimischen Sufi und dem Christen, der abends in den Schriften Jakob Böhmes schmökert?

Caberta: Ich glaube, wir müssen diese Diskussion hitziger führen, ja. Bisher war immer nur von gefährlichen Minderheiten die Rede. Zugegeben, ich spitze gerne zu. Aber für mich ist die Mehrheit der Esoteriker, die es gibt, gefährlich.

SZ: Sind Sie selbst Kirchenmitglied?

Caberta: Evangelisch, ja.

SZ: Schon böse Anrufe bekommen?

Caberta: Nee. Aber wenn sie kommen, kommen sie. Und wenn die mich rausschmeißen wollen, dann sollen sie ruhig.