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Schulhof:Markenprodukte - leider uncool

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Kinder mit schwach ausgeprägtem Selbstbewusstsein sind besonders anfällig für konsumorientiertes Verhalten.

(Foto: imago/Westend61)

Eine Umfrage in Großbritannien hat ergeben: Kinder, die zu viel Wert auf angesagte Konsumgüter legen, sinken bei ihren Mitschülern im Ansehen. Sind innere Werte wieder in?

Ist das nicht schön? Der Mensch hat dazugelernt, er scheint sich wieder auf seine inneren Werte zu besinnen. Allen voran: die Kinder. Zumindest einer Umfrage zufolge sind die Zeiten, in denen man auf dem Schulhof mit teuren Labels und Blingbling-Accessoires punkten konnte, vorbei - wenn man den Antworten britischer Jugendlicher glaubt.

Wissenschaftler der Universität im südenglischen Sussex haben eine Untersuchung mit überraschendem Ergebnis vorgestellt: Der Druck, cool rüberzukommen, angesagte Marken zu tragen und gut auszusehen, trage keineswegs dazu bei, in der Gemeinschaft akzeptiert zu werden - im Gegenteil: Die bisher unveröffentlichte Befragung von 1000 Kindern und Jugendlichen hat ergeben, dass Kinder, die ihr Selbstwertgefühl aus Markenartikeln und Konsumgütern beziehen, eher von Gleichaltrigen abgelehnt werden.

Mit Labels ins soziale Abseits

Den britischen Wissenschaftlern zufolge sind gerade Kinder mit geringem Selbstbewusstsein besonders anfällig für konsumorientiertes Verhalten. Mit anderen Worten: Wer sich nicht akzeptiert fühlt und versucht, seine Unsicherheit mit Labels zu überspielen, gerät womöglich erst Recht ins Abseits.

In der Studie ist in dem Zusammenhang gar von einer "negativen Abwärtsspirale" die Rede: "Ein konsumorientierter Lebensstil mag verletzlichen Kindern als eine geeignete Bewältigungsstrategie erscheinen", sagte einer der Autoren, die ihre Studienergebnisse auf einer Fachtagung der britischen Gesellschaft für Psychologie präsentierten. "Doch in Wirklichkeit schaden sie sich damit."

Der Glaube an die Marken bleibt

Trotzdem scheinen manche Jugendliche dieser Strategie eine enorme Bedeutung beizumessen. Obwohl freundliche und hilfsbereite Kinder nachweislich beliebter waren, gingen viele Jugendliche davon aus, dass der Weg zur Beliebtheit über Aussehen und Markenartikel führt.

Wenn Kinder also theoretisch genug Selbstbewusstsein hätten, um sich dem Konsumdiktat zu entziehen, heißt das nicht automatisch, dass ihr Selbstvertrauen groß genug ist, um sich darauf zu verlassen - und den teuren Image-Produkten auch wirklich zu entsagen. Denn selbst wenn sie es nicht nötig hätten, zweifeln viele Jugendliche daran, dass sie mit ihrer Haltung Anerkennung erfahren.

Eines scheint sicher: Von diesem Widerspruch wird die Mode- und Computerindustrie noch viele Jahre profitieren.

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