Schönheits-OPs Generation Botox

Patienten werden immer jünger

Ein neuer Busen zum Abitur, ein Satz praller Lippen zum 16. Geburtstag: Um vermeintlichen Schönheitsidealen zu entsprechen, legen sich Jugendliche - zuweilen befördert durch ihre Eltern - immer öfter unters Messer. Der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen zufolge werden bereits 100000 Schönheitsoperationen an unter 20-Jährigen vorgenommen, andere Gesellschaften gehen höchstens von der Hälfte aus.

Gesicherte Zahlen gibt es nicht. Im "LBS-Kinderbarometer Deutschland 2007" für das 6000 Jugendliche befragt wurden, sagten 40 Prozent der Mädchen zwischen neun und 14 Jahren aus, dass sie sich gerne Fett absaugen lassen würden, zehn Prozent wünschten eine Brust-OP. Politiker, Ärztevertreter und Psychologen sehen einen "medial befeuerten Schönheitskult" als Ursache und fordern ein gesetzliches Verbot der Eingriffe bei Jugendlichen. Das sei auch daher nötig, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, weil es "zu wenig Selbstbeschränkung der Ärzte gebe".

Am Mittwoch wurde ein Verbot im Gesundheitsausschuss des Bundestages kontrovers diskutiert. Kritiker sehen es als "Eingriff in Elternrechte", chirurgische Fachgesellschaften monieren, dass schwer abzugrenzen sei, ob Eingriffe medizinisch angezeigt sind. Kinder mit Segelohren etwa litten unter enormem psychischen Leidensdruck. Aber auch eine solche Korrektur sei ein kosmetischer Eingriff.