Schlafgewohnheiten Krisengebiet Doppelbett

Das gemeinsame Bett gilt seit etwa 200 Jahren als Inbegriff der Romantik - verhindert aber bei vielen Paaren erholsamen Schlaf.

(Foto: dpa-tmn)

Er schnarcht, sie wacht bei jedem Mucks auf. Frauen schlafen alleine besser durch - trotzdem halten viele Paare an der Idee des gemeinsamen Schlafzimmers fest. Warum nur?

Von Titus Arnu

Sie hatte es am liebsten schön warm, er wollte das Fenster gekippt. Er hörte beim Einschlafen gerne Musik, sie griff zu Ohropax und vergrub den Kopf unter dem Kissen. Sie schlief gerne lange aus, er stellte den Wecker, um morgens joggen zu gehen. Der Tiefpunkt war erreicht, als sie ihm gnädig erlaubte, noch ein bisschen zu lesen - allerdings jegliches Umblättern strikt verbot, weil das Rascheln sie beim Einschlafen störte. Es lief auf eine Grundsatzentscheidung heraus: eine halbe Stunde lang immer dieselbe Seite anstarren - oder auf das Sofa umziehen? Gemeinsames Bett oder getrennte Zimmer? Und wäre das der Tod der Beziehung?

Es gibt wohl kein Paar mit identischen Schlafgewohnheiten. Dennoch wollen die meisten nicht auf ihren Partner im Bett verzichten. Das hat zum Teil unangenehme Folgen. Nach Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin leiden circa 7,4 Millionen Menschen in Deutschland an Schlafstörungen. Fast 60 Prozent aller Frauen haben Schlafprobleme, aber nur 20 Prozent der Männer. Während viele Frauen sich verzweifelt hin und her wälzen und über mögliche Gründe für die Schlaflosigkeit nachgrübeln (der Job, die Kinder, der Mond?) schnarcht die Hauptursache direkt neben ihnen vor sich hin.

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Krisengebiet Schlafzimmer - Belastet das Doppelbett die Beziehung?

Er schnarcht, sie wacht bei jedem Mucks auf. Er besteht auf ein gekipptes Fenster, sie hätte es am liebsten schön warm. Frauen schlafen alleine besser durch - trotzdem halten viele Paare an der Idee des gemeinsamen Schlafzimmers fest. Die richtige Entscheidung?  Diskutieren Sie mit uns.

Populäre Schlaf-Ratgeber empfehlen, Nächte lieber einsam und ruhig als gemeinsam und genervt zu verbringen. Dennoch halten 80 bis 90 Prozent der Paare am Doppelbett fest - obwohl sie getrennt voneinander wahrscheinlich eine erholsamere Zeit hätten. Die gemeinsame Nacht hat für die meisten eben eine hohe symbolische Bedeutung.

Frauen schlafen ohne Partner ruhiger

Doch Schlaf- und Beziehungsprobleme bedingen sich möglicherweise gegenseitig, wie eine aktuelle Studie nahelegt. Gerhard Klösch und sein Team vom Schlaflabor der Medizinischen Universität Wien beobachten über einen längeren Zeitraum Paare mit Schlafstörungen und Paare ohne Schlafstörungen. Die Wissenschaftler befragen die Leute auch zur Qualität ihrer Beziehung. Noch stehen die Ergebnisse nicht fest. Aber Psychologe Klösch erwartet, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Schlaf- und der Beziehungsqualität besteht: "Paare verbringen schließlich viel mehr Zeit schlafend miteinander als wach und redend."

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Die Erdströme sind schuld, Elektrosmog, das Wetter - oder eben der Mond. Wenn Menschen nicht schlafen können, suchen sie Erklärungen. Eine neue Studie entlastet nun den Mond als Übeltäter.

In einer früheren Studie zum Thema "Paarschlaf" untersuchte Klösch das Verhalten von Paaren, die zwar in einer festen Beziehung leben, aber nicht zusammen wohnen. Die Studie bestätigte, dass Frauen ohne Partner ruhiger schlafen. Sie bewegen sich weniger, schlafen tiefer und wachen seltener auf. Woran liegt das? Man könnte es sich einfach machen und sagen: Es liegt am Bett. Denn das Ehebett ist eine Erfindung der Romantik. Erst seit etwa 200 Jahren ist es in westlichen Kulturkreisen üblich, dass Mann und Frau gemeinsam in einem Bett nächtigen, getrennt von Kindern, Opa, Oma und Haustieren. Vorher schliefen Menschen meistens in Gruppen. In vielen Kulturkreisen ist das bis heute so, zum Beispiel in Japan und in vielen afrikanischen Ländern.

Der Wunsch nach einem Schlaf- und Kuschelpartner ist tief in uns verankert. Biologisch ist es nicht notwendig, gemeinsam zu schlafen, es hat eher kulturelle und emotionale Gründe. Als Menschen noch fürchten mussten, nachts von Raubtieren angegriffen zu werden, war es lebenswichtig, dass sie aufeinander aufpassten. Alleine schlafen aktiviert deshalb Urängste, fast jedes Kind hat Angst vor dem Dunkeln. "Frauen fühlen sich grundsätzlich geborgener, wenn jemand da ist", sagt Schlafforscher Klösch, "das muss aber nicht unbedingt ein Mann sein. Es kann genauso gut ein Haustier sein." Obwohl nicht offen darüber gesprochen werde, schätze er, dass fast jeder zweite Hund und fast jede Katze bei Herrchen oder Frauchen im Bett übernachten. Falls der Hund nicht schnarcht und stinkt, ist er eventuell sogar der angenehmere Bettgenosse.