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Geburten:Frauen bekommen so viele Kinder wie seit 1990 nicht

Säuglinge auf einer Kinderstation in Halle (Saale) - 2018 stieg die Geburtenrate in Deutschland zum fünften Mal in Folge.

Die Geburtenrate ist zum dritten Mal in Folge gestiegen und liegt so hoch wie nie seit 1990.

(Foto: dpa)
  • 715 000 Kinder sind im Jahr 2014 in Deutschland zur Welt gekommen. Die Geburtenrate ist so hoch wie seit zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr.
  • Bei deutschen Frauen ist die Geburtenrate innerhalb eines Jahres von 1,37 auf 1,42 geklettert, die der ausländischen Frauen in Deutschland von 1,80 auf 1,86.
  • Experten erklären den Anstieg hauptsächlich mit der Bevölkerungsentwicklung und der wirtschaftlichen Lage.

33 000 Geburten mehr als 2013

In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren: Eine Frau im gebärfähigen Alter bringt - ausgehend von den Geburtenzahlen im Jahr 2014 - statistisch gesehen 1,47 Kinder zur Welt. Damit ist die Geburtenrate zum dritten Mal in Folge gestiegen und liegt so hoch wie nie seit der deutschen Wiedervereinigung 1990.

Dass 2014 mehr Kinder geboren wurden als 2013 war bereits im August dieses Jahres klar. Das Statistische Bundesamt erklärte einen Anstieg um 33 000 auf 715 000 Geburten. Die Geburtenrate und weitere Kennzahlen wie Alter und Staatsangehörigkeit der Mütter waren zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht bekannt.

Jetzt steht fest: Die Geburtenrate deutscher Frauen ist innerhalb eines Jahres von 1,37 auf 1,42 geklettert, die der ausländischen Frauen in Deutschland legte von 1,80 auf 1,86 zu. In allen Bundesländern gab es demnach ein Plus.

Warum gerade jetzt so viele Kinder geboren werden

Bereits seit 2012 steigen die Geburtenzahlen kontinuierlich, erklärt Familiensoziologe Johannes Huinink, Professor an der Universität Bremen, im Gespräch mit der SZ. Das sei ein Trend, der sich nun beschleunigt fortsetze: "Möglicherweise können wir sogar von einer Trendwende in Deutschland sprechen."

Wie viele Kinder geboren werden, hänge immer mit der Bevölkerungsentwicklung zusammen, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Und die ist derzeitig günstig: Die Zahl der Frauen, die zwischen 26 und 35 Jahren alt sind und besonders häufig Nachwuchs bekommen, habe sich seit 2008 stabilisiert und nehme sogar zu. Die Statistiker gehen allerdings davon aus, dass nach 2020 die Zahl der potenziellen Mütter wieder schrumpft - und damit auch die Zahl der Geburten wieder sinkt.

Allein dieser Altersstruktureffekt könne jedoch nicht die auffällige Zunahme der Geburtenzahl um 4,8 Prozent im Jahr 2014 erklären, sagt Demografin Olga Pötzsch. Eine solche Veränderung sei sicherlich auf das Zusammentreffen von mehreren Faktoren zurückzuführen. "Eine relativ gute wirtschaftliche Lage, günstige Arbeitsmarktentwicklung und Umsetzung familienpolitischer Maßnahmen bieten gute Voraussetzungen für Realisierung des Kinderwunsches."

© SZ.de/olkl/feko
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