Reden wir über Liebe "Meist bestätigt sich der Verdacht"

Vertrauen oder auf die Probe stellen?

(Foto: Jessy Asmus)

Therese Kersten war schwanger, als sie vom Doppelleben ihres Mannes erfuhr. Heute betreibt sie eine Treuetester-Agentur. Und erklärt, wie man mit unbequemen Wahrheiten umgeht.

Interview von Violetta Simon

Wer glaubt, dass der Partner treu ist, weiß es nicht. Er hat Vertrauen. Wird es missbraucht, hat das Konsequenzen für die Beziehung. Doch was, wenn man gerne vertrauen würde, es aber nicht mehr kann? Therese Kersten, geboren in Sachsen-Anhalt, ist Gründerin der Agentur "Die Treuetester". Kersten lebt mit dem Vater ihres zweiten Kindes in Paris. Vom Vater ihres ersten Kindes hat sich die 28-Jährige getrennt, nachdem sie herausfand, dass er ein Parallelleben führte. Heute findet sie solche Dinge für andere heraus. 80 Prozent ihrer Kunden sind weiblich. "Manche nehmen die Untreue des Partners trotzdem hin", sagt Kersten, "weil sie mit zwei Kindern und einem Halbtagsjob keinen anderen Ausweg sehen".

Sie leben davon, die Partner ihrer Kunden auf die Probe zu stellen. Sind Sie von Natur aus ein misstrauischer Mensch?

Niemand wird eifersüchtig geboren, es gibt immer eine Ursache. Auch ich war generell nicht misstrauisch, bis ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Wie ich erst spät herausfand, führte mein damaliger Partner ein Doppelleben. Er war nach wie vor mit seiner Expartnerin zusammen und hatte immer wieder Affären. Von ihm bekam ich nur zu hören, dass ich mir etwas einbilden würde, dass ich kein Vertrauen hätte - auch so eine Masche, einfach alles umzudrehen. Die ganze Zeit habe ich an mir gezweifelt.

Bis Sie sich Gewissheit verschafft haben.

Erst als ich hochschwanger war, bin ich meinem Instinkt gefolgt und ging auf Spurensuche. Am Ende hatte ich die Beweise vorliegen: eine angemietete Wohnung, Tickets für Flugreisen, Hotelrechnungen und vieles mehr. Ich hätte viel früher auf mein Bauchgefühl hören sollen. Heute bin ich skeptischer, lasse mich nicht mehr einlullen. Und konsequenter. Jetzt würde ich mich in so einer Situation nicht mehr abspeisen lassen, sondern verlangen, dass er mir sein Handy zeigt.

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Sie beschäftigen 650 Mitarbeiter auf Honorarbasis. Wird mehr betrogen als früher - oder sind die Menschen misstrauischer geworden?

Betrogen wurde schon immer, nur anders. Die neuen Medien stellen das Vertrauen auf eine harte Probe. Wer quatscht schon eine völlig fremde Person an und sagt "Hallo, Du gefällst mir". Liket der Partner hingegen Bilder von anderen auf Instagram und Co., schafft das natürlich Misstrauen. Das geht so weit, dass manche permanent auf der Lauer liegen, um potenzielle Gefahrenquellen zu sichten. Wir hatten eine Kundin, die auf dem Instagram-Account ihres Mannes regelmäßig die Liste mit den Personen, denen er folgt, abfotografierte. So wusste sie immer, wer neu hinzukam. Das macht das Leben nicht unbedingt leichter

Glauben Sie, dass man Vertrauen durch Kontrolle erzeugen kann?

Erzeugen nicht, aber zurückgewinnen. In den meisten Fällen ist bereits etwas vorgefallen - einer ist fremdgegangen, hat ausgiebig gechattet oder Nacktbilder ausgetauscht. Dann geht es darum, herauszufinden, ob er oder sie das wieder tun würde. Und zwar ungeachtet dessen, was man vermutet. Sondern, indem man den konkreten Beweis beschafft, ob eine Bereitschaft zum Flirt besteht.

Ist die Beziehung überhaupt noch zu retten, wenn ich erst einmal so weit bin, dass ich jemanden auf meinen Partner ansetze?

Im Vordergrund steht ja die Hoffnung, dass der andere den Test besteht. Wird das Vertrauen wiederhergestellt, profitiert die Beziehung sogar, vorausgesetzt, man klärt die Ursachen. Kommt allerdings heraus, dass der Partner oder die Partnerin nicht vertrauenswürdig ist, braucht es klare Absprachen, an die man sich halten muss. Damit der eine sieht, dass er dem anderen vertrauen kann. Wenn er sich sträubt, sollte man die Konsequenzen ziehen und sich trennen.