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Pseudowissenschaftliche Angebote:"Ängste, soziale Isolation, Depressionen"

Einem Gesetzentwurf der Grünen-Bundestagsfraktion zufolge sollen Verstöße mit einer Geldbuße von mindestens 500 Euro geahndet werden, schreibt die Zeitung. Laut Gesetzentwurf gebe es Untersuchungen, wonach bei der Mehrzahl der so behandelten Menschen schädliche Effekte wie "Ängste, soziale Isolation, Depressionen bis hin zum Selbstmord" aufgetreten seien.

Die Gruppen, die derlei Angebote offerieren, stammen meist aus dem christlich-fundamentalistischen Lager. Verbohrte Evangelikale oder allzu sendungsbewusste Bibeltreue, die meinen, sie könnten einen Kreuzzug gegen alle Andersdenken starten.

Als beispielsweise 2008 das "Christival" in Bremen stattfand, sollte dort auch ein Seminar "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" auf der Agenda stehen. Angeboten wurde der pseudowissenschaftliche Gedankenaustausch vom so genannten "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" der "Offensive Junger Christen", einer laut Selbstbeschreibung ökumenisch-evangelikalen Vereinigung. In der Seminarbeschreibung hieß es: "Viele Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen. Im Seminar geht es um Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen."

Auf einer Stufe mit Alkoholismus

Nach Protesten teilten die Veranstalter dann aber mit, das Seminar sei von den Referenten aufgrund der öffentlichen Diskussion abgesagt worden. Zum Bedauern des "Christivals", wie es hieß.

Die Beteuerung des "Instituts", sich nur für "Selbstbestimmung" und "Freiheit" einzusetzen, wird durch zahlreiche Publikationen dieser Einrichtung konterkariert und zeigt, um was es diesen Gruppen tatsächlich geht. Homosexualität wird auf eine Stufe mit Alkoholismus gestellt, das homosexuelle Leben durchweg als ein von psychischen Krankheiten und Süchten gekennzeichnetes dargestellt.

In einem "Sonderheft Männliche Homosexualität" des "Instituts" aus dem Jahr 2005 empfahl es als "weiterführende Literatur für Männer und Frauen, die Veränderung suchen, und für ihre Angehörigen und Freunde" unter anderem das Buch van den Aardwegs, in dem der "Jammerfritze" Glasscherben fressen sollte. Weiter steht dort: "Los, hinunter mit der Flasche Blausäure, dann kannst du dich auf dem Boden wälzen, dann weißt du wenigstens, wieso du hier herumschreist!"