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Promis auf der Anklagebank:Die Unschuldsengel

Paris Hilton stand diese Woche mal wieder vor dem Kleiderschrank und der Frage: Welches Outfit zum Prozess? Acht historische Stilvorlagen für brave Mädchen, die vor den Richter mussten.

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Paris Hilton Court Appearance At The Clark County Regional Justice Center

Quelle: AFP

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Paris Hilton stand diese Woche mal wieder vor dem Kleiderschrank und der Frage: Welches Outfit zum Prozess? Acht historische Stilvorlagen für brave Mädchen, die völlig zu Unrecht vor den Richter müssen.

"Ich trage die Corsage von Gaultier." - "Sie nehmen die Bluse." - "Dann halt das kleine Gelbe von Gucci!" - "Und ich sage Ihnen, Sie nehmen die Bluse." - "Oder das Spaghettiträger-Top von Dolce & Gabbana?" - "Mitnichten." - "Wofür bezahle ich Sie eigentlich?" - "Sie nehmen die Bluse, Schätzchen, oder ich lege mein Mandat auf der Stelle nieder." Am Montag erschien Paris Hilton vor einem Gericht in Las Vegas. Sie trug einen schwarzen Rock und eine cremefarbene Bluse, die vielleicht ein bisschen zu tief ausgeschnitten war, was der Klosterschülerinnenblick aber locker wieder wettmachte. Unter diesen Umständen kam die geständige Besitzerin von Kokain mit einer einjährigen Bewährungsstrafe und 200 Stunden Sozialarbeit davon.

Amy Winehouse vor Gericht

Quelle: dpa

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Schwarze Bienenkorb-Frisur, schäbige Schrottkleider, die bleiche Haut übersät von bunten Flecken (angeblich Tätowierungen) - auf der Liste der am schlechtesten gekleideten Frauen ist Amy Winehouse fast noch öfter unter den Top Ten als in den Hitparaden. Amy und Eleganz, das groovt einfach nicht zusammen. Als ihr die britische Modemacherin Harvey Nichols mal edle Roben lieh, übergab sich Winehouse im Drogenrausch auf die Designerstücke, Schaden: 32 000 Euro. Zum Prozess in einem Londoner Gericht erschien die durchgeknallte Soulsängerin im Juli 2009 geradezu spießig: graues Kostüm, weiße Bluse, Perlenkette. Ihr wurde vorgeworfen, einen Fan geschlagen zu haben. Das Verfahren endete mit einem Freispruch.

ingrid van bergen

Quelle: ASSOCIATED PRESS

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Manche Frisuren legen ihre Trägerin extrem fest. Mit dem auch Zopfkrone genannten blonden Flechtkranz etwa kann man nur ein Erntedankfest im Burgenland besuchen, das Gretchen im Faust geben, Wahlkampf in der Ukraine führen - oder vor Gericht seine Unschuld demonstrieren, was im Prinzip alles dasselbe ist. Letzteres mag Schauspielerin Ingrid van Bergen beabsichtigt haben, als sie dem Schwurgericht München, mit Zopfkrone und im strengen schwarzen Kleid, sagte, sie wisse auch nicht, wie sie ihren zwölf Jahre jüngeren Lebensgefährten erschossen habe, "das Ding ging plötzlich los." Fatal womöglich, dass Aufzug und Image (Lebedame mit Rauchstimme) zu weit auseinanderlagen. Die Rolle ihres Lebens, so befand das Gericht - und verurteilte van Bergen im Juli 1977 wegen Totschlag zu sieben Jahren Haft.

Prozess wegen Ladendiebstahls gegen die Schauspielerin Winona Ryder

Quelle: Reuters

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Man fragt sich wirklich, ob Hollywood so mies zahlt, dass Winona Ryder Artikel des täglichen Bedarfs nicht rechtmäßig erwerben kann. Ladendetektive in Beverly Hills sollen in ihren Pausenräumen angeblich schon Fotos von ihr hängen haben. Zuletzt hatte sie Haargel in einer Drogerie in Beverly Hills geklaut, davor Kleinkram im Kaufhaus. Den größten Auftritt hatte sie 2002, als sie bei "Saks" Kleidung für 5000 Dollar entwendete. Sie wurde erwischt, randalierte - und landete vor Gericht. Für ihren Auftritt wählte sie die Rolle der Unschuld vom Lande beim Kirchgang. Mantel, Bluse, Haarreif. An der Hand ein Rosenkranz, im Blick Gottesfurcht. Wegen einer Verletzung habe sie Valium genommen, was ihr den Verstand benebelt habe, hauchte sie. Der Richter honorierte diese Beichte mit drei Jahren auf Bewährung, 10 000 Dollar Geldstrafe und 480 Stunden Sozialdienst.

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Quelle: AFP

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Problem 1: Verliert oft jede Kontrolle, da landet auch mal ein Telefon am Kopf des Hausmädchens. Problem 2: Gilt als "Knallfrosch der Gefühle" (Bunte) und mag nach eigener Aussage "Männer, die wie Bullen sind" - stark, reich, mächtig, etwas schmutzig und großzügig (Mike Tyson, Flavio Briatore). Problem 3: Problem 1 und 2 legen zumindest nahe, dass Naomi Campbell Blutdiamanten von Liberias Ex-Präsident und Bürgerkriegsverbrecher Charles Taylor angenommen haben könnte. Vor dem Sondergericht für Sierra Leone in Den Haag war das Model im August nur Zeugin. Vor Gericht stand aber auch einmal mehr ihr Ruf. Naomi konterte mit züchtigem Twinset in Beige, Hochfrisur und verwirrten statt verwirrenden Blicken. Problem 4: Glaubwürdig?

Lindsay Lohan

Quelle: imago stock&people

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In Lindsay Lohans begehbarem Kleiderschrank dürfte es mittlerweile ein ganzes Regal mit Anstandsmode geben. Ihr Bedarf an züchtigen Blusen, gedeckten Cardigans und überknielangen Röcken ist unermesslich, schließlich verbringt keine so viel Zeit vor Gericht wie sie. Am 6. Juli war es wieder so weit: Lindsay zog die schwarze Bluse aus dem Schrank, streifte das beigefarbene Westchen über und begab sich ins Bezirksgericht. Dort wurde sie wegen Verstoß gegen die Bewährungsauflagen (Suff, Drogen) zu 30 Tagen Haft verurteilt. Was auf ihrem Fingernagel stand, konnte die Richterin aus der Entfernung Gott sei Dank nicht lesen: "Fuck U". Zum nächsten Termin am Freitag (Suff, Drogen) muss dann ein neuer Schafspelz her.

Berufungsverhandlung im 'Fall Gsell'

Quelle: dpa/dpaweb

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Weiß, das ist die Farbe der Reinheit und der Unschuld. Wie gemacht also für Tatjana Gsell, die Witwe des Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell. Der starb 2003 an den Folgen eines Überfalls, der eigentlich ein Versicherungsbetrug werden sollte, aber ein bisserl außer Kontrolle geriet. Niemand konnte der Witwe nachweisen, dass sie auf Geld scharf gewesen wäre, im Gegenteil. In Haft kamen die angeheuerten Autoschieber, nicht die in Weiß gekleidete Tatjana. Heute mag es Gsell - außerhalb von Gerichtssälen - gerne eher luftig. Auf ihrer Homepage kann man ihr live bei etwas zuschauen, das man "Silikon Gselli" nennen könnte. Daneben steht: "Demnächst darf getrost mit der nächsten Überraschung meinerseits gerechnet werden." Schluck.

Vera Brühne vor Gericht

Quelle: RÖHNERT, URSULA

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Das Problem ist ja: Mörder und Nichtmörder sehen so etwas von gleich aus, das glaubt man gar nicht. Die Chauffeuse Vera Brühne stand 1962 wegen Doppelmord in München vor Gericht. Rein äußerlich hatte sie das Zeug zu einer Mörderin. Klar. Die Boulevardpresse wusste auch gleich, dass Brühne ihren wohlhabenden Arbeitgeber und dessen Lebensgefährtin ermordet hat. Der Arzt sei ihr sexuell hörig gewesen, das habe seiner Gefährtin nicht gepasst. Die Brühne habe Angst gehabt, dass es nun doch nichts wird mit der Finca in Spanien. Also zweimal Kopfschuss. Mit dem mausgrauen, züchtigen Outfit signalisierte sie dem Gericht: Leute, was soll ich bitte mit einer Finca in Spanien? Half aber nix. Lebenslang, lautete das Urteil.

© SZ Panorama vom 23.09.2010/jado, br
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