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Portal für Lebensmittelsicherheit:Aufstand der Irregeführten

Nach der gescheiterten Ampel-Kennzeichnung endlich einmal ein Erfolg für Verbraucherschützer: Das Online-Portal "lebensmittelklarheit.de" kann die eingehenden Hinweise und Beschwerden kaum bewältigen. Die Industrie reagiert auf die Klagen - wenn auch bisweilen äußerst trotzig.

Herr T. aus Berlin findet das alles gar nicht nett. Auf dem Becher prangen Macadamianüsse, drei an der Zahl, der Joghurt aber besteht nur zu sechs Prozent aus Nüssen. So ist es auf der Liste der Inhaltsstoffe nachzulesen und damit, so rechnet Herr T. vor, ist maximal eine Nuss im Joghurt.

Irreführende Lebensmittelpackungen

Erdbeeren, mit Datteln gestreckt

Für ihn ist der Fall klar: Der Verbraucher werde "in die Irre geführt". Und die Verbraucherzentrale sekundiert: Bilder von Zutaten sollten "keine falschen Erwartungen bezüglich deren Menge im Gesamtprodukt" wecken. Der Hersteller schließlich merkt an, dass der Nussanteil in seinem Joghurt "marktüblich" sei.

So nachzulesen ist dies auf dem Online-Portal lebensmittelklarheit.de, finanziert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz und umgesetzt durch den Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Sinn des Portals ist es, wie bereits der Name verspricht, mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln zu schaffen. Seit nun gut sieben Wochen steht die Seite im Netz und findet beim Verbraucher offenbar durchaus Anklang.

"Wir wissen, dass wir einen Nerv getroffen haben", sagt Janina Löbel, die das Projekt beim VZBV koordiniert. "Aber die immense Beteiligung hat selbst uns überrascht." Zwei Millionen Nutzer riefen die Seite demnach allein in den ersten vier Tagen auf, der Server brach zuweilen unter der Last zusammen.

Mittlerweile hat sich die Verbraucherzentrale Hessen, die das Portal betreibt, mit neuen Server-Kapazitäten für die Nachfrage gerüstet. Wohl aber sei die Zahl der Besucher "auf ein verträgliches Maß" zurückgegangen. Wie weit genau, weiß derzeit aber niemand - zuletzt war vor lauter Arbeit schlicht keine Zeit, sich um Statistik zu kümmern, heißt es.

Täglich bis zu 300 Anfragen

Kernstück des Portals ist der sogenannte produktbezogene Bereich: Verbraucher können hier Produkte melden, von deren Aufmachung sie sich getäuscht fühlen, die Verbraucherzentrale kommentiert dies dann und bittet den Hersteller um eine Stellungnahme. 1600 Anfragen gingen allein in den ersten Tagen ein, derzeit kommen laut Betreiber wöchentlich 150 bis 300 neue hinzu.

Offiziell sind für die bislang etwa 3000 Anfragen zweieinhalb Personalstellen verantwortlich - ein gewisses Missverhältnis ist offensichtlich. Bei der Frage, ob dauerhaft mehr Mitarbeiter nötig sind, ist Janina Löbel aber zurückhaltend: "Wir prüfen das gerade." Für den anfänglichen Ansturm hatten sich die Hessen vorübergehend Unterstützung aus anderen Verbraucherzentralen geholt.