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Pfandring an Mülleimern:Die Pfandkiste hat viele Vorteile

Seit drei Jahren hat Lemonaid auch die Pfandkiste im Programm, eine weiße Mehrwegkiste für ihre Limonade, die mit einer Gebrauchsanleitung versandt wird, wie man sie an Mülleimern und Laternen aufhängen kann. "Mehrere Hundert haben wir bereits verschickt", sagt Jakob Berndt, einer der Firmengründer. Kostenlos natürlich. Dazu gibt es Workshops, für die weniger handwerklich begabten. Das Firmenlogo auf der Kiste wird durch einen Aufkleber "Pfandkiste" überdeckt, allerdings in derselben Schrift wie der Firmenname.

Jakob Berndt ist etwas genervt von dem Misstrauen, das seiner Firma von mancher Seite entgegenschlage. "Wir wollen wirklich etwas verändern und dabei nicht nur Leute ansprechen, die in Welt-Läden gehen." Die Zahlen seien transparent, die Projekte nachhaltig.

Ihn habe verblüfft, wie lange die Leute ihre Flaschen einfach achtlos in den Mülleimer geworfen hätten. Dabei gingen Rohstoffe verloren, und die Sammler müssten im Dreck wühlen, was wohl kein Mensch gerne tue. Die Pfandkiste habe also nur Vorteile, die Nachfrage sei groß.

"Social Business" könne die Welt etwas besser machen

Lemonaid ist in einer Zeit groß geworden, in der die Industrie mit dem Gefühl spielt, man müsse nur das richtige konsumieren, um ein guter Mensch zu sein. Seit vielen Jahren gibt es Spülmittel mit dem Frosch, das signalisieren soll, damit der Umwelt nicht zu schaden.

Noch früher entdeckte das Land die Problematik des gebleichten Papiers, was die Industrie dazu brachte, ein Recycling-Klopapier mit dem Namen "Danke" auf den Markt zu bringen. Die Botschaft: Ich muss mich nicht ändern, ich muss mich nicht engagieren, ich muss nicht verzichten. Es kommt auf die richtige Entscheidung im Laden an. Für die Umwelt. Für Flaschensammler. Für ein gutes Gefühl.

Berndt war früher in der Werbung, er weiß wie man sich positioniert mit seinem Produkt. Aber darum geht es nicht nur. Neulich hat er das Buch des Soziologen Harald Welzer gelesen. Der schreibt, dass es im Leben nicht nur um Wachstum und Konsum gehen dürfe, sondern auch um Glück und Zukunftstauglichkeit. Jakob Berndt hat sich die Frage gestellt, ob seine Firma und Sachen wie die Pfandkiste ein Teil einer Entwicklung sind, die er selbst gar nicht so gut findet: "Ist das jetzt die Pervertierung des Kapitalismus, der sich selbst rettet und einem das Gefühl gibt, am Wandel mitzuwirken?"

Eine gute Frage. Berndt hat sie mit Nein beantwortet. Solches "Social Business", glaubt er, könne die Welt tatsächlich etwas besser machen. Man zahle den Erzeugern faire Preise, schaffe nachhaltigen Wohlstand in armen Regionen. "Die soziale Verantwortung hört ja nicht im Supermarkt auf." Es gebe keine Verlierer.