bedeckt München 23°
vgwortpixel

Pfandring an Mülleimern:Der Wettbewerb unter Sammlern hat zugenommen

Vogel hat sich auch mit Leuten vom Sozialdienst zusammengesetzt, die jeden Tag mit Flaschensammlern zu tun haben. "Die sind gar nicht so begeistert von der Idee", sagt er. "Die fürchten sich vor neuer Konkurrenz." Der Wettbewerb unter den Sammlern habe in der Vergangenheit ohnehin zugenommen, so sei sein Eindruck.

Wenn die Flaschen nun nicht mehr im Mülleimer landen würden, dann fühlten sich plötzlich ganz andere Gruppen angesprochen, solche, die es nicht nötig haben, aber schnell ein paar Cent mitnehmen wollen. "Der Mülleimer hat für viele Sammler auch eine Schutzfunktion", sagt Vogel. Und die Würde?

Ihr Forum Wie sinnvoll ist der Pfandring?
Ihr Forum
Ihr Forum

Wie sinnvoll ist der Pfandring?

Städte wie Köln und Bamberg haben ihn schon - viele weitere wollen nachziehen: Der Pfandring sorgt dafür, dass Flaschensammler leichter an Leergut kommen. Eine gute Investition?   Diskutieren Sie mit uns.

Jeder Sammler habe seine eigene Biografie, sagt Vogel, bei vielen gehe es nicht unbedingt darum, sich den Lebensunterhalt zu finanzieren. Dazu sei der Ertrag ohnehin zu gering. Es gehe darum, etwas zu tun, am Ende des Tages etwas geschafft zu haben. Es ist wie ein Beruf: Flaschensammler. "Die Definition, was gut und würdevoll ist, treffen in der Regel Menschen, die nicht betroffen sind. Je weiter man von den Betroffenen weg ist, desto moralischer wird die Diskussion. Wir haben nicht das Gefühl, dass sich die Flaschensammler stigmatisiert fühlen."

Nürnberg hat die Anschaffung abgelehnt

Vogel erzählt von Menschen, die sich Werkzeuge gebaut haben, mit denen sie in die Eimer greifen können. Es erfülle sie mit einem gewissen Stolz, sich eine Flasche geangelt zu haben. Pfandringe, so glaubt Vogel, seien wie ein Eingriff in ein Biotop. "Wir würden den Sammlern eher schaden." Der Nürnberger Stadtrat hat ihre Anschaffung abgelehnt, duldet aber private Initiativen.

Bei der Firma Lemonaid in Hamburg kann man Pfandkisten bestellen. Die Büros von Lemonaid liegen in einem Hinterhof neben der Reeperbahn. Die Räume sehen etwas durcheinander aus, überall liegen Beutel mit dem neuen losen Tee herum, der demnächst auf den Markt kommen soll. Natürlich aus fairer Produktion.

Lemonaid hat sich das Gute recht deutlich in den Namen geschrieben. Man kann eine ziemlich leckere Limonade mit Zitronen- und auch Maracujageschmack trinken. Oder einen "Charitea" mit Mate-Aroma. 1,69 Euro kostet eine 0,33-Liter-Flasche im Bio-Markt, was einen Literpreis von etwa fünf Euro ergibt. Biomärkte trauen sich nur selten, so viel für exotische Säfte zu verlangen.

Dafür gehen dann zumindest fünf Cent pro Flasche an soziale Projekte in Lateinamerika, das Geld kommt den Produzenten zugute. Seit 2008 gibt es die Firma, ihr Wachstum ist rasant: Im letzten Jahr verkaufte sie 3,5 Millionen Flaschen. Macht in den vergangenen Jahren bislang insgesamt 350 000 Euro für soziale Zwecke.