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Männer und Liebeskummer:"Es geht mir gut!"

sueddeutsche.de: Welche Art von Kränkung trifft Männer besonders hart?

Silvia Fauck

Hilft bei Liebeskummer - auch Männern: Silvia Fauck.

(Foto: Foto: oh)

Fauck: Von einem Tag auf den anderen verlassen zu werden, ist für sie mit Abstand das Schlimmste.

sueddeutsche.de: Warum sind sie darauf so selten vorbereitet?

Fauck: Niemand kann Probleme so gut verdrängen wie ein Mann. Kommunikation fällt ihnen oft schwer. Deshalb kommen immer wieder Männer zu mir in die Praxis, die mir völlig fassungslos erzählen: "Meine Frau hat mich verlassen, einfach so!"

sueddeutsche.de: Was würde diese Frau dazu sagen, wenn sie nun hier wäre?

Fauck: Dass sie Jahre lang angekündigt hat: "Ich mache das nicht mehr mit!"

sueddeutsche.de: Was ist der Grund für diese verschobene Wahrnehmung?

Fauck: Zum einen haben Männer generell ein anderes Empfinden für Zeit. Sagt er: "Ich ruf dich an", wartet sie nach der Disko darauf, dass das Telefon klingelt. Bis er sich dann meldet, können schon mal zehn Tage vergehen. Darüber hinaus sind ihre Prioritäten anders gelagert: Ein Mann würde nie seinen Blackberry mit ins Bett nehmen oder wegen des Klingelns des Telefons tropfnass aus der Dusche hüpfen. Eine Frau hingegen würde nie ihr Handy vergessen, wenn sie einen Anruf erwartet.

sueddeutsche.de: Klingt irgendwie gleichgültig. Dann macht es ihnen auch weniger aus, betrogen zu werden?

Fauck: Wie jeder Mensch leidet ein Mann unter dem Verrat an seinen Gefühlen und seiner Person. Dass der Partner sich in jemand anderen verliebt, ist schwer genug. Schlimm wird es, wenn diese Tatsache verheimlicht wird und die dritte Person erst im Nachhinein auftaucht. Dann wird die Achtung und der Respekt voreinander beschädigt.

sueddeutsche.de: Sind Männer denn ehrlicher in dieser Beziehung?

Fauck: Keineswegs! Eine Trennung per SMS oder Fax ist da schon mal drin. Speziell Männer sind sehr feige, wenn es darum geht, reinen Tisch zu machen.

sueddeutsche.de: Das klingt jetzt aber etwas pauschal ...

Fauck: Trifft aber zu! Selbst beruflich toughe Männer, die im Job mit Millionen jonglieren und große Verantwortung tragen, schaffen es oft nicht, sich zwischen ihrer Frau und der Freundin zu entscheiden.

sueddeutsche.de: Was erwarten solche Menschen von Ihnen?

Fauck: Sie kommen zu mir und fordern mich auf: "Sagen Sie mir, was ich tun soll!"

sueddeutsche.de: Wie gehen Sie damit um?

Fauck: Ich frage sie nach ihrem Wunschdenken, wie die perfekte Situation für sie aussähe. Und wissen Sie, was mir kürzlich einer geantwortet hat? "Am liebsten wäre es mir, ich käme nach Hause, meine Koffer stünden gepackt vor der Tür und meine Frau würde mich rauswerfen." Mit anderen Worten: Die Partnerin soll die Entscheidung treffen, damit er sich die Auseinandersetzung mit ihrer Person und dem Thema erspart.

sueddeutsche.de: Haben Sie dieses Dilemma auch schon in umgekehrter Konstellation erlebt?

Fauck: In sieben Jahren Praxis kam es gerade vier Mal vor, dass ein Mann sich an mich wandte, weil er mit seiner Rolle als Geliebter nicht klar kam. Männer machen diese Situation nicht so lange mit.

sueddeutsche.de: Hier sind es also die Männer, die eine Entscheidung treffen?

Fauck: Wohl eher in Form einer Notbremse. Kein Mann ist so biegsam und leidensfähig wie eine Frau - mit Gewalt kommt er besser aus der Sache raus. Außerdem: Welcher Mann erzählt schon gerne, dass seine Eroberung nicht zu haben ist? Das tut er nur zu Beginn einer Affäre.

sueddeutsche.de: Mit Verlaub, die Männer kommen nicht gerade gut weg bei Ihnen ...

Fauck: Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass es ein Mann war, der mein Leben aus den Angeln gehoben hat und dass ich fünf Jahre gebraucht habe, um mich davon zu erholen. Dieser Weg war verdammt lang und grauenvoll.

sueddeutsche.de: Und deshalb sind alle Männer Schweine?

Fauck: Im Gegenteil: Durch meine Arbeit in der Praxis habe ich mit der Zeit erkannt, dass Männer besser sind als ihr Ruf. Es gibt den gefühlvollen, verlässlichen und auch den treuen Mann. Ich habe so viele Männer in meiner Praxis leiden sehen, und immer waren es tolle Männer, denen man nicht diese Leidensfähigkeit zutrauen würde, weil sie ihr Leid nicht kommunizieren.

sueddeutsche.de: Also doch nicht alles verloren?

Fauck: Keineswegs. Es gibt diese Traummänner - die Kunst besteht darin, ein solches Sonderexemplar für das eigene Leben zu finden.

"Das Liebeskummerbuch für Männer" ist im Kreuz Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro.