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Knigge für Hochzeitsgäste:Das sind ja schöne Sitten!

Mit einer Einladung zur Hochzeit beginnt die Ratlosigkeit: Was anziehen? Wen mitnehmen? Wie viel schenken? Ein kleiner weißer Benimm-Wegweiser für die Gäste.

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Knigge für Hochzeitsgäste, Das sind ja schöne Sitten, Istockphoto

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Mit einer Einladung zur Hochzeit beginnt die Ratlosigkeit: Was anziehen? Wen mitnehmen? Wie viel schenken? Ein kleiner weißer Benimm-Wegweiser für die Gäste.

Welche Bräuche gibt es am Polterabend?

Traditionell findet der Polterabend einen Abend vor der Hochzeit statt und das Brautpaar muss deswegen nicht extra Einladungen aussprechen: Es kommt, wer will.

Nun hat sich dieser Brauch zeitlich verlagert und viele Paare feiern den Polterabend schon Tage vor der Trauung, um am großen Tag wieder ausgeschlafen zu sein. Deshalb lädt das Paar nun auch zum Polterabend ein. "Der eingeladene Gast sollte wie zum Hochzeitsfest ab- oder zusagen, denn auch der Polterabend ist ein großes Ereignis und die Gastgeber können besser kalkulieren, wenn sie wissen, wie viele Gäste kommen - aber zwingend nötig ist das nicht", sagt Susanne Helbach-Grosser, Kommunikations-Trainerin und Inhaberin des Seminar-Instituts Takt & Stil.

Nun zum Brauch am Polterabend: Die Gäste zerschlagen altes Geschirr und Steingut - mit zwei Effekten. Zum einen werden durch den Lärm böse Geister, die in die neue Ehe eindringen wollen, vertrieben, zum anderen kehrt das Paar - und nur das Paar - die Scherben wieder zusammen, um Zusammenhalt und Aufgabenteilung zu demonstrieren. Die Gäste dürfen auf keinen Fall Glas oder Spiegel werfen - diese Scherben sind gefährlich und bringen Unglück.

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Darf ein Single zur Hochzeit eine Begleitung mitbringen?

"Nein, auf keinen Fall in unserem Kulturkreis. Gerade bei so einem großen Fest, ist das Essen vorbestellt und der Tischplan organisiert. Ein Überraschungsgast schmeißt diese ausgefeilte Planung um", sagt Helbach-Grosser. Die Benimm-Expertin bei weddix.de weist auch darauf hin: "Niemals heimlich die Namenskärtchen tauschen, wenn man mit dem Tischnachbarn nicht zufrieden ist. Denn auch das bringt die sensible Sitzordnung durcheinander."

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Welcher Dress-Code gilt bei Hochzeiten?

Es gibt nur zwei Regeln, aber an die sollte sich jeder Gast halten. Die erste lautet: Das Brautpaar bestimmt die Richtung. Die zweite: Es ist stillos, der Braut die Schau zu stehlen. "Die Farbe weiß ist also tabu. Sie gehört der Braut", sagt Helbach-Grosser. Und gerade die Schwiegermutter sollte sich nicht zu hell kleiden, denn damit mache sie sich verdächtig, den Sohn nicht los lassen zu wollen, deutet Helbach-Grosser.

Oft bittet die Einladung um festliche Kleidung oder Abendgarderobe für die Hochzeitsfeier ("Kirche festlich, abends sexy"). Für weniger formelle Hochzeiten im Familien- und Freundeskreis bevorzugen Männer dann einen dunklen Anzug, die Frau kann zwischen Cocktail- oder Abendkleid wählen. Der Rock oder das Kleid sollten aber nicht zu kurz geschnitten sein, sonst zieht dieses Outfit alle Blicke weg von der Braut. "Dasselbe gilt auch für einen sehr tiefen Ausschnitt", erklärt die Stilberaterin Helbach-Grosser. Wenn sich das Paar leger kleiden wird und das auch in die Einladung schreibt, haben die Gäste diese lässige Kleiderordnung zu akzeptieren. "Denn der Gast sollte nicht besser angezogen sein das Brautpaar", erklärt Helbach-Grosser.

Frauen sollten beim Hut vorsichtig sein: "Er sieht eher aufgemotzt aus und könnte mit dem Kopfschmuck der Braut konkurrieren. Aber wer sich unsicher ist, sollte ganz einfach beim Brautpaar nachfragen. Das Paar kann am besten die Kleiderfrage beantworten."

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Was anziehen, wenn das Paar in Dirndl und Janker heiratet?

"Der Gast muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn er keine Tracht trägt. Das kann das Brautpaar auch nicht verlangen, da damit große Kosten verbunden sein können. Der Gast kann aber mit einfachen Mitteln seine Garderobe anpassen, entweder mit einem Trachtentuch oder -schmuck" rät die Expertin.

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Wie teuer muss das Geschenk mindestens sein?

"Wer etwas schenkt, sollte immer auf den Bauch hören", rät Helbach-Grosser. Man komme nicht weiter, wenn man versucht gegenzurechnen: Was wird Essen und Getränke pro Person kosten? Lieber solle man den Vertrautheitsgrad als Maßstab wählen. "Das wichtigste ist doch, dass das Geschenk dem Brautpaar gefällt", sagt Helbach-Grosser.

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Soll man der Braut Blumen mitbringen?

Am Tag der Hochzeit sind Blumen eher Fehl am Platz. Die Braut hat schon ihren Brautstrauß, der oft auch die Dekoration bestimmt. Dann kommt hinzu, dass das Paar vielleicht anschließend in die Flitterwochen fährt und die Blumen unbeachtet verwelken. "Das Gast kann doch besser einen Strauß schicken lassen, wenn das Paar zurückkommt. Dann kann es die Blumen auch so lange wie möglich genießen", schlägt Helbach-Grosser als Alternative vor.

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Wie sollte sich der Gast verhalten, wenn er zu spät kommt?

Das kann jedem passieren: Panne, Stau, Zug- oder Flugzeug-Verspätung. Sind die Kirchentüren schon geschlossen und die Zeremonie hat begonnen, sollte man nach einer Seitentür Ausschau halten, wenn Musik ertönt, hineinschleichen, auf den nächst möglich freien Platz huschen und jedes Geräusch vermeiden. Wenn keiner oder nur wenige Gäste durch Nachzügler gestört werden, um so besser.

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Darf man während der feierlichen Zeremonie fotografieren?

Das Brautpaar wird bestimmt einen professionellen oder einen sehr guten Hobby-Fotografen beauftragt haben, damit die kirchliche Trauung im Bild festgehalten wird. Der Gast sollte private Schnappschüsse deshalb tunlichst vermeiden, da es nicht nur den Ablauf stört, sondern auch das Paar und den Geistlichen ablenkt und die feierliche Atmosphäre mindert.

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Wem sollte man zuerst gratulieren?

Meistens steht das Paar vor der Kirche, die Braut rechts, ihr Bräutigam links. Also ist die Braut auch die erste, an die sich die Gäste wenden. Ein Lob über das Aussehen der Braut, ist bei der Gratulation passend. Wem Kleid oder Frisur nicht gefällt, schweigt. Kritik haben Braut und Bräutigam an diesem Tag in keiner Form verdient.

Auch an den Brauteltern sollte man nicht wortlos vorbeigehen, selbst wenn man sie nicht kennt. Es spricht gar nichts dagegen, wenn man sich selber vorstellt und den Eltern erklärt, wie man mit dem Brautpaar verbunden ist.

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Sollte man das Geschenk dem Paar persönlich übergeben?

"Es kommt darauf an, wie groß die Hochzeit ist. In einem großen Rahmen sollte man auf eine persönliche Übergabe verzichten und das Geschenk diskret auf den dafür vorbereiteten Tisch legen. Und nicht die Karte vergessen: Sonst kann das Paar das Geschenk nicht zuordnen", sagt Helbach-Grosser.

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Es ist Sommer und heiß: Wann darf der Mann seinen Aufzug lockern

"Ganz einfach: Wenn der Bräutigam Marscherleichterung ansagt oder selbst das Jackett auszieht. Behält er dieses die ganze Zeit an, müssen auch seine Gäste schwitzen", klärt Knigge-Expertin Helbach-Grosser auf.

Man sollte das Jackett an der Garderobe abgeben und es nicht über die Stuhllehne hängen. "Viele Männer verwahren im Jackett ihre Wertsachen und wollen es deshalb nicht aus den Händen geben. Deshalb sollte man Geld oder Schlüssel auf das Nötigste reduzieren, so dass das Jackett abgegeben werden kann", sagt Helbach-Grosser.

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Darf der Gast ein anderes Menü bestellen, wenn ihm die Auswahl nicht schmeckt?

Es kann passieren, dass der Gast aus verschiedenen Gründen - religiöse oder gesundheitliche - das Menü ablehnt. Er sollte deshalb schon bei der Zusage seine Sonderwünsche äußern. Das Brautpaar wird ihm bestimmt entgegenkommen. "Hat er versäumt, sich rechtzeitig zu melden, muss er am Fest mit Brot und Butter auskommen", sagt Helbach-Grosser. Er sollte auch keinen Gang aussetzen, statt dessen jeden Teller entgegennehmen, umdekorieren oder nur das essen, was er verträgt. "Denn die Hochzeit soll für das Paar der schönste Tag werden und kein Gast hat das Recht zu mäkeln."

Bei der Hochzeitstorte darf der Gast aber aussetzen: Wenn ihm der Kuchen nicht schmeckt, kommt er an dem Kuchen guten Herzens vorbei.

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Gehört der Eröffnungstanz nur dem Brautpaar?

Nur die wenigsten Paare beherrschen den traditionell links gedrehten Walzer perfekt. Deshalb sind sie froh, wenn sich so schnell wie möglich viele Tänzer um sie tummeln. Allerdings kommen sie um ein paar Solo-Runden nicht herum, dann holt die Braut ihren Vater, der Bräutigam seine Mutter. Anschließend folgt die Formation Braut mit Schwiegervater und Bräutigam mit Schwiegermutter und schon können alle anderen Gäste - egal in welchem Verwandtschaftsgrad mittanzen.

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Was darf in der Hochzeitszeitung, in einer Rede oder in einem Spiel über das Brautpaar verraten werden?

"Auf keinen Fall sollten Braut und Bräutigam in einem zweifelhaften Licht dastehen. Weder als Mauerblümchen, noch als Hallodri", sagt Helbach-Grosser. Bei allem gilt: Das Paar muss sich immer wohlfühlen und sollte sich mit jedem Beitrag geehrt fühlen.

Das gilt auch für die Rede. Helbach-Grosser: "Witzig ja, Peinlichkeiten oder Diskriminierendes passen auch nicht zu einer Hochzeit. Hier schlagen die Redner oft über die Stränge."

Foto: AP (Text: sueddeutsche.de/Eike Schrimm)

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