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Jugendkultur:Wie porno sind sie wirklich?

Die aktuelle Debatte stempelt die Jugend von heute als "Generation Porno" ab. Doch die hat ganz andere Probleme als Internet-Sex.

Die Mädchen antworten unter Kichern und Gackern: "Wenn wir Pornos schauen, dann in der Gruppe und um uns darüber lustig zu machen." Die "Generation Golf" war konsumorientiert, spaßbetont, unpolitisch. Die "Generation Praktikum" war ehrgeizig, ausgebeutet, unterbezahlt. Übersexualisiert, aggressiv, abgestumpft: So wird die Jugend von heute häufig beschrieben - ob als "Generation Porno", als "Generation Sex" oder als "Deutschlands sexuelle Tragödie". Doch wie viel Wirklichkeit steckt eigentlich noch in dieser Debatte? Eine Spurensuche.

"Das ist großer Quatsch", sagt Kurt Starke. Der Leipziger Professor ist einer der führenden Sexualwissenschaftler der Bundesrepublik und ärgert sich sehr über den Begriff "Generation Porno". Das Schlagwort kursiert schon länger in der öffentlichen Debatte; kürzlich ist unter diesem Titel auch ein Sachbuch erschienen. Starke stört daran nicht nur die aus wissenschaftlicher Sicht freilich unzulässige Verallgemeinerung. "Das ist eine Sauerei, die Jugendlichen so zu diskriminieren." Solche Schlagworte kriminalisierten Sexualität, so Starke, und verböten den Spaß am Sex. Die kostenlose Amateur-Porno-Plattform YouPorn liegt auf Platz 25 der meistbesuchten Homepages in Deutschland. 80 Prozent aller Jugendlichen hatten schon einmal Kontakt mit Pornographie.

Es ist der Tonfall, die Haltung der Erwachsenen, die solche Schlagworte benutzen, die den Jugendforscher Starke aufregen. Das Urteilsvermögen der Jugendlichen werde völlig unterschätzt. "Der größte Irrtum ist, dass Pornos auf hirnleere Jugendliche treffen und sie für das Leben versaut werden." Das sieht auch Marthe Kniep so, die das berühmte Dr.-Sommer-Team der Bravo leitet. "Wir spüren, dass Jugendliche mit Pornos sehr differenziert umgehen", sagt die Pädagogin und verweist auf entsprechende Studien aus Skandinavien. In Deutschland bewegt sich die Porno-Debatte noch weitgehend im luftleeren Raum - verlässliche Zahlen oder Erkenntnisse über die Wirkung von Pornokonsum bei Jugendlichen gibt es kaum.

"Na klar gibt es heute mehr Pornos. Aber ich glaube nicht, dass das schlecht ist, dass die Jugend verdirbt oder so", sagt ein Junge mit Einkaufstüten und Baseballcap. Was er und andere Jugendliche in der Münchner Fußgängerzone zur Generation Porno zu sagen haben, können Sie sich im nebenstehenden Kasten anhören.

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