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Glauben:Einige Kinder empfangen Taufe und Kommunion am selben Tag

Die Wahrheit ist außerdem, dass den stark sinkenden Zahlen der Kindstaufen in den vergangenen Jahren nur gering sinkende, stagnierende oder sogar leicht steigende Zahlen bei den Taufen im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter gegenüberstehen. Es ist schließlich nicht nur möglich, die Entscheidung der Eltern gegen die Taufe zu korrigieren - es ist sogar recht einfach: Taufe und Erstkommunion in der dritten Schulklasse direkt hintereinander durchzuziehen, ist ein Prozedere, das zunehmend in Mode kommt. Und mit 14 Jahren ist man nach Ansicht der Kirche ohnehin reif genug, um sich selbständig zum Glauben zu bekennen.

Und vorher? Kann ein Kind anfangen, an Gott zu glauben, wenn es nicht getauft wurde? Diese Frage ist im Grunde hinfällig. Das Ritual selbst ist ja nur der erste Schritt, der Eintritt in die christliche Gemeinschaft. Ohne eine entsprechende Grundüberzeugung der Eltern, ohne einen auch im Alltag gelebten Glauben ist das Ganze nur eine Zeremonie in einem alten Gemäuer, bei der einer schreit.

Bleibt die Frage: Wird ein Kind ausgegrenzt, wenn es ungetauft in die Schule kommt? Der Umgang mit dem Religionsunterricht ist in Deutschland prinzipiell im Grundgesetz geregelt, im Detail aber ist er Sache der Bundesländer. Das heißt: Es wird jetzt leider kurz kompliziert.

Auch ungetaufte Schüler dürfen am Religionsunterricht teilnehmen

In manchen Ländern ist der Religionsunterricht relevant für die Versetzung in die nächste Klassenstufe, in anderen nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen; in manchen wird er von der Schule organisiert, in anderen von den Kirchen; in manchen müssen sich die Schüler anmelden, in anderen gelten sie automatisch als Teilnehmer, können sich allerdings abmelden, wenn sie nicht wollen. In wieder anderen Bundesländern können die Schüler wählen, ob sie das Fach Religion besuchen oder ein Alternativfach wie Philosophie oder Ethik. Aber im Prinzip gibt es keine Ausgrenzung. Wer nicht getauft ist, aber trotzdem in den Religionsunterricht gehen möchte, darf das, auch wenn dazu in den meisten Ländern ein paar Formalitäten zu erledigen sind.

In Bayern, wo der Anteil der Gläubigen an der Bevölkerung am höchsten ist, geht das so: Der Erziehungsberechtigte (oder der volljährige Schüler selbst) stellt einen Antrag beim Schulleiter, und wenn das für die Region zuständige Ordinariat beziehungsweise der zuständige Dekan zustimmt, wird der Schüler zum regulär benoteten Teilnehmer. Die Zusage muss nur einmal gegeben werden, sie gilt dann für die restliche Laufbahn an der betreffenden Schulart.

Das Sakrament ist kein Abo, das man wieder kündigen kann

Wozu der Aufwand? Für die Schulen sei es einfach aus logistischen Gründen wichtig zu wissen, wie viele Schüler am Religionsunterricht teilnehmen wollen, teilt das Kultusministerium mit. Der Behörde seien im Übrigen keine Fälle bekannt, wo es Probleme gegeben hätte. Im Schuljahr 2013/14 hätten insgesamt 58 600 ungetaufte Schüler in Bayern am Religionsunterricht teilgenommen.

Kompliziert? Ach was.

Alles in allem gibt es keine gravierenden Unterschiede im Leben eines ungetauften zu dem eines getauften Kindes - jedenfalls keine, die mit der Taufe zusammenhängen. Mal abgesehen von der Chance, Ministrant zu werden, und bei der Familienfeier zur Erstkommunion im Mittelpunkt zu stehen. Unentschlossene Eltern können also beruhigt sein, sie müssen nicht in einen unaufhebbaren Ritus einwilligen, von dem sie nicht überzeugt sind. Wenn ihr Kind seinen alten Adam ersäufen will, kann es das später problemlos selbst erledigen.

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