Geschwister Die besten Freunde, die schlimmsten Feinde

Malia Obama Sasha und Malia Obama Bilder

Geschwister

Sasha und Malia Obama

Geschwister schenken einander nichts - auch nicht, wenn sie Sasha und Malia Obama heißen. Über eine ambivalente Beziehung.

Geschwister schenken einander nichts - auch nicht, wenn sie Sasha und Malia Obama heißen. Über eine ambivalente Beziehung.

Von Julia Rothhaas

Thumbs up! Für die beiden Töchter von US-Präsident Barack Obama war es das erste State Dinner im Weißen Haus, an dem sie Anfang März teilnehmen durften. Der kanadische Premier wurde gefeiert, zudem war ein Haufen Promis mit Kanada-Bezug geladen. Und so fand sich Sasha Obama im Gespräch mit Schauspieler Ryan Reynolds, der vor allem durch sein gutes Aussehen berühmt geworden ist. Ein besonderer Abend also für die 14-Jährige. Schön, wenn die große Schwester zur Unterstützung da ist.

Doch wer Geschwister hat, weiß: Die nach oben gestreckten Daumen plus das breite Grinsen von Malia, 17, im Hintergrund sind nicht unbedingt zur Ermutigung gedacht. Hier wird die Kleine für ihre Aufregung belächelt, die man ihr deutlich ansehen kann, und die Ältere kann gönnerhaft ihre Überlegenheit ausspielen.

Dass sich Geschwister gegenseitig aufziehen, passiert natürlich nicht nur im Weißen Haus. Da ist der Bruder, der nicht müde wird, immer wieder von den Fehltritten des Jüngeren zu erzählen. Und die Schwester, die genau weiß, was sie sagen muss, damit die Große an die Decke geht. Auch noch viele Jahre später.

Nähe und Vertrautheit, Rivalität und Eifersucht

Geschwister: die besten Freunde, die schlimmsten Feinde. Sie bleiben uns, ein Leben lang. Eltern sterben, Partner kommen und gehen, Freundschaften verändern sich, aber niemandem ist man so lange verbunden wie der Schwester oder dem Bruder. Geschwisterbeziehungen gehören zu den engsten und intimsten, die ein Mensch knüpfen kann, da sind sich die Experten einig. Auch, wenn man sich nicht besonders leiden kann.

Das Besondere dieser Verbindung ist die Ambivalenz: Geschwister erleben nicht nur eine große Nähe und Vertrautheit, sondern auch Rivalität und Eifersucht. Es scheint zum regulären Familienprogramm zu gehören, miteinander zu konkurrieren, gerade, wenn es um die Liebe und Anerkennung der Eltern geht. Das sorgt für Ärger: Im Durchschnitt geraten Drei- bis Siebenjährige 3,5 Mal pro Stunde aneinander, so eine Studie der Universität von Illinois. Zwischen zwei und vier Jahren gibt es sogar alle zehn Minuten Krach. Wen wundert es da, dass bei einer Umfrage aus dem Jahr 2014 lediglich die Hälfte aller befragten Erwachsenen der folgenden Aussage zustimmten: "Ich liebe meine Geschwister".

Die Familie bildet die erste soziale Gruppe, in der sich ein Mensch zurechtfinden muss. In diesem engen Konstrukt lernt man sich kennen und zwar so gut, dass keinerlei Schwächen verborgen bleiben. Und die können zur Zielscheibe werden, niemand ist da so treffsicher wie die Schwester oder der Bruder. "Wir sticheln, um hinter der Fassade etwas in Bewegung zu bringen", sagt Joachim Armbrust, Sozialpädagoge und Autor des Buchs "Streit unter Geschwistern". "Indem wir den anderen aufziehen, können wir einen inneren Engpass in uns selbst lösen. Das bringt Entlastung und trifft dafür denjenigen, der gerade in der Nähe ist." Geschwister seien dafür ein wunderbares Forschungslabor und bieten ein sicheres Testumfeld.

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Ganz anders als die Eltern, zu denen zwar auch eine enge Bindung besteht, die aber - im Gegensatz zu Bruder oder Schwester - in der Familie das Sagen haben. "Schon ein Kleinkind lernt, welche Macht es hat, indem es jemanden mit nur einem Satz von einem Moment auf den anderen aus der Bahn werfen kann." Die Grenzen des Gegenüber werden früh ausgetestet, wenn auch zunächst unabsichtlich. Das eigentliche Sticheln beginnt dann mit dem Erwerb der Sprachfähigkeit.