Geburtenrate Warum in Deutschland mehr Kinder geboren werden

Das vierte Mal in Folge kommen in Deutschland mehr Kinder zur Welt als im Vorjahr.

(Foto: dpa)

Die Geburtenrate erreicht den höchsten Wert seit 30 Jahren. Der Stolz junger Eltern ist unübersehbar, die gesellschaftliche Stimmung ist pro Baby. Aber ist das nachhaltig?

Kommentar von Vera Schroeder

Der Satz, den Großeltern gerne sagen, wenn sie vormittags im Drogeriemarkt einkaufen waren, und außer Rentnerkollegen nur jungen Müttern (und, okay, auch ein paar Vätern) beim Windelkaufen begegnet sind, lautet: "Das kann man gar nicht glauben, dass Deutschland aussterben soll!" Und tatsächlich, der mit dem Pillenknick erst rasante, und dann langsam vor sich hindümpelnde Rückgang der Geburtenrate in Deutschland scheint vorerst gestoppt zu sein.

Die zusammengefasste Geburtenrate stieg 2015 auf den höchsten Wert seit mehr als 30 Jahren: 1,5 Kinder je Frau. Das vierte Mal in Folge kommen in Deutschland mehr Kinder zur Welt als im Vorjahr. Krippen und Kindergärten platzen vielerorts aus allen Nähten. Und in den Innenstädten sprießen Kindercafés noch schneller als Burgerläden oder Modekettenfilialen aus dem Asphalt.

Entwickelt Ursula von der Leyens Elterngeld, das 2007 eingeführt wurde, nun also doch genau den Effekt, den man sich damals wünschte? Bekommt Deutschland endlich mehr Kinder - und zwar langfristig und stabil, um den immer länger lebenden und immer mehr werdenden Alten endlich eine ordentliche junge Menschenmenge entgegenzusetzen?

Geburtenrate Geburtenrate erstmals seit 33 Jahren wieder bei 1,5 Kindern pro Frau
Statistisches Bundesamt

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Frauen in Deutschland bekommen wieder mehr Babys. So hoch wie 2015 war die Geburtenrate zuletzt 1982.

Geburtenraten gehen zurück, je mehr Sicherheit eine Gesellschaft gewährleistet

Was auffällt, wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht: Den größten Anteil am Zuwachs 2015 tragen Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Er ist damit unmittelbar Folge der hohen Zuwanderung. Besonders starken Einfluss haben Geburten von Frauen aus Syrien, Rumänien, Bulgarien, Kosovo oder Serbien. Der Einfluss ausländischer Mütter, die für deutsche Verhältnisse überdurchschnittlich viele Kinder hier bekommen, wird in den nächsten Jahren vermutlich weiter wachsen.

Der Effekt auf die Geburtenrate dürfte sich mittelfristig allerdings nicht halten. Weil die Familien entweder gar nicht hier bleiben. Oder, wenn sie hier bleiben, über die Jahre ihr Geburtenverhalten dem deutscher Mütter anpassen. Geburtenraten gehen zurück, je mehr Sicherheit eine Gesellschaft gewährleisten kann. Sobald Menschen eine Altersvorsorge haben, brauchen sie nicht mehr so viele Kinder.