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Flüchtlinge in Deutschland:17 Fälle pro Jahr in einer 600 000-Einwohner-Stadt

Betrachtet man die Daten genauer, relativiert sich vieles. "Ja, es gibt sexuelle Übergriffe in Schwimmbädern", sagt André Hartwich, Pressesprecher bei der Polizeidirektion Düsseldorf, und nennt drei Zahlen. In Düsseldorfer Bädern habe es 2014 sieben Fälle gegeben, 2015 seien 17 Taten aktenkundig geworden und 2016 habe es bisher acht Anzeigen gegeben. Zum Vergleich: Insgesamt werden in der 600 000-Einwohner-Stadt Düsseldorf 80 000 Straftaten pro Jahr angezeigt. "Die geringen Fallzahlen sagen aus, dass das kein gravierendes Problem und kein Kriminalitätsschwerpunkt ist", so Hartwich.

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Der Düsseldorfer Polizeisprecher sagt auch: "Etwas mehr als die Hälfte der ermittelten Tatverdächtigen in Schwimmbädern sind Menschen ohne deutschen Pass." Ein ähnlicher Eindruck entsteht, wenn man sich die Zahlen aus München ansieht. Dort erregten Anfang des Jahres zwei Vorfälle im Michaelibad großes Aufsehen, in denen junge Frauen von Männern begrapscht wurden. Bei den Tatverdächtigen handelte es sich um Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien. Nichtdeutsche Tatverdächtige seien bei Sexualdelikten mit "Tatörtlichkeit Badeanstalt oder Freibadplatz", wie es in der Kriminalstatistik heißt, überrepräsentiert, sagt ein Polizeisprecher. Allerdings sind die Fallzahlen für ein Gebiet, in dem mehr als 1,8 Millionen Einwohner leben, recht gering: Zwölf Anzeigen wegen Sexualdelikten habe es 2014 gegeben, 23 Fälle im Jahr 2015. Deutlich mehr als 80 Prozent dieser Delikte konnten aufgeklärt werden.

In Erfurt wurde ein Mann angezeigt, der sich lediglich in der Tür irrte

Es spricht vieles dafür, dass der Anstieg der Fälle auf eine größere Sensibilität zurückzuführen ist. Joachim Heuser, der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, berichtet von einem Fall aus Erfurt. Dort wurde ein Flüchtling angezeigt, weil er sich in der Tür zur Dusche irrte. Das Wort "Damen" habe er schlicht nicht lesen können. Peter Harzheim, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, bestätigt das: "Oft fühlen sich Frauen bereits von einer Gruppe Migranten sexuell belästigt, nur weil diese sie anstarren."

Allerdings sei es wichtig, rechtzeitig einzuschreiten, bevor es tatsächlich zu Übergriffen kommt. Flüchtlinge verstärkt zu Schwimmmeistern auszubilden sei deshalb eine Maßnahme, um Konflikte zu entschärfen. Aiham Shalghin könnte bald also nur noch einer von mehreren Bademeistern sein, die pubertäre Jugendliche mithilfe von Trillerpfeife und der arabischen Sprache zur Ordnung rufen.

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