Familie:Die Zwiegespaltenen - Vom Lebensgefühl der «Generation Mitte»

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Berlin (dpa) - Die "Generation Mitte" hat viele Sorgen, doch sie lebt ganz zufrieden. Eine Studie zeigt: Veränderung wird zum Normalzustand. Doch ausgerechnet das Internet löst Unbehagen aus.

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Berlin (dpa) - Die „Generation Mitte“ hat viele Sorgen, doch sie lebt ganz zufrieden. Eine Studie zeigt: Veränderung wird zum Normalzustand. Doch ausgerechnet das Internet löst Unbehagen aus.

Sie kennen noch Tante-Emma-Läden, kaufen aber längst im Internet. Sie wollen, dass Kinder Bücher lesen - doch informieren sich selbst übers Smartphone. Sie wissen, dass sie fürs Alter vorsorgen sollten. Doch sie tun es zögerlich, weil sie einen funktionierenden Sozialstaat gewohnt sind. Zwiegespalten, das trifft das Lebensgefühl von rund 35 Millionen Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge gerade ziemlich gut.

Zugleich erlebe die „Generation Mitte“ privat und beruflich eine unaufhörlich steigende Schlagzahl, sagt Renate Köcher, die Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Die 30- bis 59-Jährigen fühlen sich, das hat Köcher unter 1245 repräsentativ ausgewählten Männern und Frauen erfragt, gleichzeitig als Treiber und Getriebe einer immer schnelleren Welt. Doch vor allem untere soziale Schichten drohen, dabei abgehängt zu werden.

Dabei ist diese „Generation Mitte“ eine ganz wichtige: Die 35 Millionen Menschen im Alter von 30 bis 59 Jahren tragen den größten Anteil der Steuereinnahmen in Deutschland, sie finanzieren die sozialen Sicherungssysteme, erziehen Kinder und pflegen die Älteren. „Sie sind die Leistungsträger und stellen in unserer Gesellschaft die Weichen für die Zukunft“, erläutert der Präsident der Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland. Er hat die Umfrage in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse zeigen: Die „Generation Mitte“ macht sich viele Sorgen - ist aber alles in allem ganz zufrieden mit dem Leben. Veränderungsdruck spürt sie vor allem durch Digitalisierung und die alternde Gesellschaft.

Nur noch jeder Fünfte kann sich ein Leben ohne Internet noch ohne weiteres vorstellen. 90 Prozent sind online, in der Regel täglich. Zugleich aber gebe es ein ausgeprägtes Unbehagen. „Was mich irritiert: Diese Ängste haben keinerlei verhaltensprägende Wirkung“, sagt Köcher. Im Klartext: Die Leute fürchten Datenmissbrauch - geben die Informationen aber trotzdem etwa bei Facebook an.

Große Veränderungen sieht die „Generation Mitte“ in ihrem sozialen Leben. Alles werde komplizierter, kritisiert mehr als jeder Vierte, steigende Anonymität fast jeder Zweite. Neue Leute lernen 17 Prozent der Befragten inzwischen anders kennen als noch vor Jahren. Für jeden Dritten hat sich verändert, wie oft er mit Freunden in Kontakt ist - ob zum positiven oder negativen ist nicht bekannt.

Mehr als jeder Dritte spürt auch bei der Arbeit große Unterschiede. Dass er ständig erreichbar ist, empfindet jeder zweite als Nachteil. Fast ebenso viele glauben, dass ganze Berufsgruppen bald von Maschinen ersetzt werden - aber nur drei Prozent finden das gut.

Dass die Geschäfte in den Innenstädten nach und nach verschwinden, sehen fast 70 Prozent in der „Generation Mitte“ mit Sorge. Zugleich aber setzen sich zum Einkaufen immer mehr Leute an den Computer. Mehr als jeder zweite bucht Reisen oder kauft Kleidung im Netz. Auch für Bücher, Filme oder Musik verlassen viele kaum das Haus. Nur beim Geld sind sie weiter traditionell: Versicherungen oder Geldanlagen haben bislang die wenigsten online abgeschlossen.

Als eine der größten Herausforderungen empfinden die 30- bis 59-Jährigen den demografischen Wandel. Dass es immer mehr ältere Leute gibt, macht fast 90 Prozent Sorge. Fast jeder zweite sieht die sozialen Sicherungssysteme in Gefahr, jeder Dritte befürchtet Spannungen zwischen Alt und Jung. Doch dass das auch sie selbst stark betrifft, glauben nur wenige in dieser zwiegespaltenen Generation.

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