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Expertentipps zur Erziehung:"Überlegen Sie, was wirklich wichtig ist"

Zeitdruck am Nachmittag entsteht auch durch Termine, zum Beispiel beim Arzt, in der Musikschule oder im Turnverein. Da müssen die Kinder rechtzeitig fertig sein.

Zum Beispiel Sport ist als Ausgleich für das Sitzen in der Schule wichtig. Aber Eltern sollten sich mit der Einschulung überlegen, was sie weglassen können: Welcher Termin muss wirklich sein? Hat mein Kind noch echte Spielzeit, die es für sich oder mit seinen Freunden verbringen kann? Natürlich müssen die Schüler auf die Bedürfnisse und Termine von Eltern und Geschwistern Rücksicht nehmen. Aber umgekehrt eben auch.

Mit welchen Aufgaben sollte das Kind anfangen: mit leichten zum Warmwerden oder mit schwereren, damit es sie abhaken kann?

Das ist wieder ganz vom Kind abhängig: Manche stürzen sich auf die schweren, weil sie Lust auf die Herausforderung haben. Andere, die nachmittags Probleme mit der Aufmerksamkeit haben, sollten mit leichteren anfangen. Dann haben sie schon mal ein Erfolgserlebnis und finden sich leichter in die Situation ein, sich noch mal konzentrieren zu müssen. Es gibt aber kein Patentrezept. Das oberste Gebot ist, die Motivation und Freude der Kinder zu erhalten.

Motiviert es, wenn die Eltern die ganze Zeit danebensitzen?

Eher nicht, da sollten sich Mütter und Väter bewusst zurücknehmen und dem Kind zutrauen, alleine zu arbeiten. Es reicht, vielleicht kurz etwas zu erklären und sich das Ergebnis zeigen zu lassen. Dann können Sie gemeinsam mit ihrem Kind stolz darauf sein, dass es die Aufgaben selbst geschafft hat. Wenn die Kinder gar nicht zurechtkommen, müsste das wieder mit dem Lehrer besprochen werden.

Jugendliche machen ihre Hausaufgaben selbständig, sollten sie jedenfalls. Was können Eltern unternehmen, wenn die Aufgaben nicht erledigt werden und das Lernen zu kurz kommt?

Dann erst zu handeln, wird schwierig. Meistens haben Ältere aber keine Probleme, wenn die Eltern schon in der Grundschule eine gute Lösung für die Aufgaben am Nachmittag gefunden und die Kinder auch angehalten haben, sie selbständig zu lösen. Gute Erfahrungen haben wir gemacht, wenn der Kontakt zwischen Schülern und Lehrern vertrauensvoll ist: Spüren Jugendliche, dass der Lehrer sie mag und in ernster Sorge um ihre schulischen Leistungen und um ihren Abschluss ist, motiviert das die Schüler. Außerdem stehen keine persönlichen Konflikte dazwischen, wie in dieser Zeit oft zwischen Kind und Eltern. Also sollten sie engsten Kontakt mit der Schule halten und sich nicht scheuen, beim Lehrer Rat zu suchen. Außerdem dürfen Eltern nicht vergessen: Die Größeren arbeiten zwar eigenständiger, das ist wichtig für die Berufsvorbereitung. Aber auch sie brauchen Würdigung und Anerkennung, um motiviert zu bleiben - genau wie wir Erwachsene.

Georgine Müller arbeitete als Lehrerin erst an der Grundschule, dann an der Mittelschule. Die ehemalige Konrektorin, Rektorin und Schulrätin leitet heute das Staatliche Schulamt in der Landeshauptstadt München.

Statt nachmittags ihre Hausaufgaben konzentriert, schnell und ohne zu meckern zu erledigen, arbeiten Kinder lieber an Fluchtplänen, um doch zum Spielplatz zu entkommen. Die Erziehungskolumne "Kinder - der ganz normale Wahnsinn".