"Er sagt, sie sagt" zu Klopapier Griff neben's Klo

Wie herum ist richtig?

(Foto: Collage: iStockphoto/ Illustration Yinfinity)

Er hasst es, wenn sie die Klopapier-Rolle falsch aufhängt. Die Frage ist nur: Wie hängt sie richtig? Ein Beziehungsdrama in Dialogform.

Von Violetta Simon

Er kommt aus dem Bad, eine Rolle Klopapier in der Hand.

Sie: Was ist los, warum schaust du so böse?

Er: Ich hasse es, wenn du das tust. Kannst du dir nicht endlich angewöhnen, die Klorolle richtig herum an den Halter zu hängen?

Sie: Äh ... was genau verstehst du denn unter "richtig herum"?

Er: Na, eben andersherum, als du es meistens machst. Die Außenseite gehört nach vorn. Ist das denn so schwer!

Sie: Nach vorn. So so. Und wie kommst du darauf?

Er: Das ist doch wohl offensichtlich: Nur so macht es Sinn!

Sie: Also für mich ist da gar nichts offensichtlich. Es ist genauso naheliegend, die Außenseite nach hinten abzurollen.

Er: Quatsch. Dann wischt man mit dem Papier an der Wand entlang, bevor man es benutzt. Das ist unhygienisch.

Sie: Ach. Und wenn du das Papier nach vorne ziehst, berührt es zuvor etwa nicht die Wand?

Er: Nein. Jedenfalls nicht so stark. Oder doch? Aber ...

Sie: Vielleicht solltest du mal die Fliesen putzen, wenn du dich vor Keimen fürchtest. Dann müssen wir nicht über die Ausrichtung einer Klopapierrolle diskutieren.

Er: Es geht ja nicht nur um die Hygiene. Es ist auch viel praktischer, wenn der Anfang der Rolle vorne hängt. Dann erwischt man das Papier gleich. Weißt du eigentlich, dass die Amerikaner jedes Jahr etwa 30 Minuten damit verbringen, nach dem Ende des Toilettenpapiers zu suchen?

Sie: Unglaublich, worüber du dir so den Kopf zerbrichst.

Er: Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie einem das dermaßen egal sein kann. Die Frage bewegt Millionen von Menschen. Seit Jahrzehnten existiert eine öffentliche Debatte darüber. Nur dich scheint das Thema kaltzulassen.

Sie: Tja, ich nehme das Papier eben, wie es kommt. Genau wie die anderen Dinge in meinem Leben.

Er: Weil du dir keine Gedanken machst. Weil du für nichts brennst. Die Gleichgültigkeit, die du dieser Rolle Klopapier entgegenbringst, ist bezeichnend für deine gesamte Lebenshaltung.

Sie: Moooment! Nur, weil ich nicht so ein Klorollen-Nazi bin, muss ich mir noch lange nicht anhören, dass ich keine eigene Meinung habe! Statt einen auf Küchenpsychologe zu machen, solltest du mir lieber mal erklären, was es zu bedeuten hat, dass auf unserem Spülkasten, am Boden und auf dem Badewannenrand lauter leere Rollen herumstehen, an denen immer noch ein paar Blätter hängen. Das finde ich bezeichnend!

Er: Das ist für den Notfall. Damit ich was in Reserve habe, falls du wieder mal keine neue Rolle eingehängt hast. Oder kein Papier nachgekauft hast.

Sie: Ach so! Das wird ja immer besser. Du gibst also nicht zu, dass du einfach zu faul bist, die Rollen wegzuwerfen? Sondern gibst mir die Schuld an deiner Klopapier-Neurose - weil ich dein Urvertrauen durch meine Unzuverlässigkeit erschüttert habe, ist es das? Mein Gott, dann nimmste eben Taschentücher. Oder Zewawischundweg.

Er: Du machst es dir einfach. Vermutlich würdest du auch ein paar Seiten aus Zeitschriften reißen, wenn es sein muss. Und dann wunderst du dich, wenn immer wieder die Toilette verstopft ist!

Sie: Sagt der Mann, der mit seinen Feuchttüchern regelmäßig die Münchner Kanalisation lahmlegt.

Er: Das war nur ein Mal. Und es war ein Versehen.

Sie: Ich seh' schon - nicht einmal in den banalsten Dingen können wir uns einigen. Wie soll das erst werden, wenn wir uns ein neues Auto anschaffen. Oder eine Familie gründen!

Er: Die Sache mit dem Klopapier ist nicht banal. Und ich habe keine verdammte Neurose! Ich will einfach nur, dass du die Klorolle richtig herum aufhängst. Okeee?

Sie: Sicher Schatz. Wie auch immer, mir einerlei.

Er: Siehst du? Wenn es dir ohnehin egal ist, wie herum die Klopapierrolle hängt, dann kannst du sie mir zuliebe ja so hängen, wie ich es gern hätte.

Sie: Klar, meinetwegen. Äh ... wie rum war noch mal richtig herum?