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Die Frau hinter der First Family:Obama und seine Glücksfee

Ein Präsident ohne Krawatte, eine First Lady bei der Gartenarbeit - im Weißen Haus weht ein frischer Wind. Es soll hip sein. Hinter all den Ideen steckt Desirée Rogers, die Privatsekretärin des Weißen Hauses.

Unter diesem Präsidenten ist alles anders. Wo Barack Obama hinkommt, proklamiert er den Wandel. "Change", immer geht es um "Change". Und egal, was er tut: Er und seine Frau sehen immer gut dabei aus. Das ist kein Zufall. Denn auch, wenn man sie nur selten sieht: Es gibt die Frau hinter den Obamas.

Desirée Rogers, Michelle Obama; AP

Wenn Michelle Obama öffentlich auftritt, steckt meist Desirée Rogers (links) dahinter: Sie ist die Privatsekretärin des Weißen Hauses und zuständig für das Branding der Marke Obama.

(Foto: Foto: AP)

Desirée Glapion Rogers heißt sie, ist Privatsekretärin des Weißen Hauses, 49 Jahre alt, 1,55 Meter groß. Und sie hat viel vor: Sie will die Ära Obama unvergesslich und die First Lady zur beliebtesten Mom-in-Chief aller Zeiten machen: "Wir haben die beste Marke der Welt: die Marke Obama. Unsere Möglichkeiten sind unbegrenzt", sagt Rogers dem WSJ., dem Magazin des Wall Street Journals.

Darin gewährt sie Einblicke in ihre Welt - das Weiße Haus. Oder, um es in ihrer eigenen Sprache zu sagen: die Schatzkammer. Die soll nun transparent werden. Nichts eignet sich für die Inszenierung der First Family besser. Der Amtssitz in Washington ist die ideale Bühne: Wenn der Präsident mit dem neuen Hund Bo durch die Flure rennt, wenn die kleinen Töchter auf der Schaukel im Garten tollen, wenn Michelle Obama die Ärmel hochkrempelt und eigenhändig einen Bio-Gemüsegarten anlegt, wenn die First Grandma beim Ostereierrollen Kindern eine Geschichte vorliest - dann hat sich Desirée Rogers das ausgedacht.

Rogers, die einst als Vorstand einer staatlichen Lotterie vielen Menschen zum Glück verholfen hat, hat auch ein glückliches Händchen, wenn es darum geht, Partys zu schmeißen, über die jeder spricht. Sie ist die geborene Networkerin. Rogers ist ein Kind aus der Mittelklasse von New Orleans, entstammt einer Louisiana-kreolischen Familie, ist Tochter eines Stadtrats. Der ließ seine Tochter laut WSJ. Drinks und Eintopf servieren, wenn Gäste kamen. Und es kamen viele Gäste - Bürgermeister, Geschäftsmänner, Kulturleute, aber auch einfache Leute wie die städtischen Müllmänner.

Dass die Harvard-Absolventin auch heute noch viele einflussreiche Leute aus Wirtschaft und Politik kennt, war wohl einer der Gründe, warum Barack Obama ihr im Herbst die Stelle der "White House Social Secretary" im Weißen Haus anbot. Sie kennt Michelle Obama seit fast zwanzig Jahren.

Rogers Ex-Mann - ein Chicagoer Anwaltssohn und Bürgerrechtler, der es zum Self-Made-Millionär gebracht hat - spielte in Princeton Basketball mit Michelles Bruder Craig Robinson. Die beiden Frauen sind Freundinnen, Rogers bezeichnet sich selbst als "Augen und Ohren von Frau Obama". Sie arbeiten nur einige Türen voneinander entfernt.

Von ihrem Büro im Ostflügel des Weißen Hauses aus verfolgt die Organisationschefin ihre Marketingstrategie. Das WSJ.-Magazin hat sie dort besucht, in dem Zimmer, in dem immer frische Blumen stehen und ein weißer iPod dezente R'n'B'-Musik spielt.

Die Mutter einer 18-jährigen Tochter trägt auch am Schreibtisch Designermode. So ließ sie sich auch 2004, als sie noch in der Chefetage eines Gaskonzerns mit einem Milliarden-Dollar-Jahresumsatz wirkte, für den Titel der amerikanischen Vogue fotografieren. Mit deren Chefredakteurin Anna Wintour ist sie befreundet, bei der New York Fashion Week saßen die Frauen nebeneinander in der ersten Reihe.

Einigen Leuten hat das nicht gefallen, nicht in Zeiten der Wirtschaftskrise. Und auch Michelles Obamas Bekenntnis zur Mode sorgt nicht bei allen für Begeisterung. Aber sie hat ja Rogers. Als Stilberaterin setzt sie alles daran, das Weiße Haus als hip und seine Bewohner als stilbewusst erscheinen zu lassen - aber eben auch als offen für den Durchschnittsamerikaner.

Darum plant Rogers mit ihrem fünfköpfigen Team nicht nur Dinner Partys mit all den wichtigen Leuten, sondern auch Basketballspiele, Poetry Slams und Filmnächte für das breite Volk. Rogers, die als Kind von den bunten Wägen der Mardi-Gras-Paraden winkte, organisiert heute im Namen des Weißen Hauses Kurse, in denen Mädchen ihr Selbstbewusstsein stärken können. Sie promotet den Einsatz der First Lady in der Obdachlosenküche und lässt am St. Patrick's Day den Springbrunnen vor dem Weißen Haus grün einfärben.

Rogers will das Weiße Haus zu einem offenen Haus machen, einem Haus fürs Volk. Ein zentraler Schritt in diese Richtung war die Entscheidung, im Internetportal Flickr Bilder hochzuladen, die den Präsidenten in privaten Momenten zeigen. Dass die Privatsekretärin nun das Hochglanzmagazin WSJ. eingeladen hat und sich am Schreibtisch ablichten ließ, war der nächste Schritt. Bei der Marke Obama ist eben alles transparent - auch das Marketing. Jedenfalls soll es so aussehen.

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