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Bio-Lebensmittel:"Ein mühsamer Versuch"

Noch ist es "ein mühsamer Versuch, ein zartes Pflänzchen", doch wenn Schweisfurth die Zucht gelingt, wird das die Bio-Geflügelzucht revolutionieren. Denn bislang gibt es keine Rasse, die Masthuhn und Legehenne hervorbringt, bei der die Hennen also genügend Eier legen und deren Brüder schnell genug so dick werden, dass sie als Brathähnchen zu verwerten sind. Bislang sind die Geschwisterküken in den Legebatterien und Masthähnchenfabriken deshalb noch zu nichts zu gebrauchen und werden getötet.

Mit der neuen Rasse soll das anders werden. In den nächsten zwei Jahren will Schweisfurth 160.000 Euro in das Landhuhn-Projekt investieren und die Haltung der Rasse auf Dauer wirtschaftlich machen.

Im Modellprojekt funktioniert das Zweinutzungskonzept schon jetzt: Die Küken des Herrmannsdorfer Landhuhns werden als Masthähnchen und Bruthennen aufgezogen - geschreddert wird keines.

Die Schweisfurths verstehen sich als Pioniere. Sie wollen ausprobieren, altes Wissen ausgraben, dieses mit neuen Technologien kombinieren. Ihr Modellprojekt ist Luxus. Hätte der Vater anfangs nicht viel Geld aus dem Verkauf von Herta in den Hof gepumpt, hätte er sich Fehler nicht auch finanziell leisten können - der Traum von der Ökowelt wäre schnell ausgeträumt gewesen. Seit mehreren Jahren schreibt das Unternehmen nun zwar schwarze Zahlen - doch discountertauglich sind die Produkte freilich nicht. Wer Fleisch von glücklichen Schweinen will, muss sich das auch leisten können.

"Viel Wissen ist verlorengegangen"

Karl Schweisfurth ersteigert auf Ebay regelmäßig alte Bücher über Viehhaltung und Landwirtschaft. Gerade liegt eine Abhandlung über Schweinezucht aus den zwanziger Jahren auf seinem Nachttisch. "Viel Wissen ist verloren gegangen", sagt der Junior-Chef. "Meine Lieblings-Wiederentdeckung ist zum Beispiel, dass Schweine so gerne Klee fressen", erzählt der gelernte Landwirt. "Davon habe ich weder in der Ausbildung noch an der Uni je gehört."

In einer 90 Jahre alten Futtermittelberechnung entdeckte er, dass die Pflanzen früher verfüttert wurde. "Wir haben das dann einfach mal ausprobiert. Und die Schweine lieben ihn!" Außerdem kostet er fast nichts, weshalb die Entdeckung auch finanziell ein Gewinn war: Bis zu vier Kilo frisst ein Tier in Herrmannsdorf täglich von dem Grünzeug. "Die lassen dafür das Getreide liegen", sagt Schweisfurth. Es freut ihn sichtlich.

Im nächsten Abschnitt lesen Sie, was man für gutes Fleisch braucht - und was Schweisfurth von Betrieben hält, die billig und rationell arbeiten.