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Bildband "Black Friday":Ruinen der Konsumgesellschaft

Stille und Zerfall statt Leben und Konsum. Fotograf Seph Lawless dokumentiert in seinem Bildband verlassene Shopping Malls in den USA - und das Ende einer Ära.

Von Tanja Mokosch

13 Bilder

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Quelle: Seph Lawless

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Stille und Zerfall statt Leben und Konsum. Fotograf Seph Lawless dokumentiert in seinem Bildband verlassene Shopping Malls in den USA - und das Ende einer Ära.

Die Rolltreppen stehen schon lange still in der Rolling Acres Mall in Akron im US-Bundesstaat Ohio. Verkauft wird hier seit Jahren nichts mehr. Der Boden ist übersät mit Glasscherben. Die Pflanzen, die zur Dekoration in dem Einkaufszentrum standen, sind längst verdorrt. Wo Läden mit bunt dekorierten Schaufenstern um Kunden warben, herrscht traurige Leere.

Überdimensionale Shopping Malls, einst Inbegriff der amerikanischen Konsumkultur - sie sterben aus. Die Amerikaner haben dafür einen eigenen Begriff geprägt: "Dead Malls".

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Quelle: Seph Lawless

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Für sein Buch "Black Friday - The Collapse of the American Shopping Mall" reiste Fotograf Seph Lawless durch die USA, auf der Suche nach leer stehenden Einkaufszentren. Diesen verlassenen roten Einkaufswagen fand er in New Jersey.

Die Symbolik ist für Lawless eindeutig: "Ich will, dass die Leute, die meine Bilder sehen, erkennen, dass das der Anfang vom Ende der größten Wirtschaftsmaschine aller Zeiten ist: Amerika."

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Quelle: Seph Lawless

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Der Titel des Bildbandes ist angelehnt an den exzessivsten Shopping-Tag der USA: "Black Friday" heißt der Freitag nach Thanksgiving, an dem die meisten Amerikaner Urlaub nehmen und die "Wirtschaftsmaschine" normalerweise besonders gut arbeitet.

Als letzter Freitag im November markiert der "Black Friday" den Start der Weihnachtseinkaufssaison. Die Läden locken mit Sonderangeboten und verlängerten Öffnungszeiten, unzählige Amerikaner stürmen an diesem Tag die Innenstädte und - sofern es sie noch in der Nähe gibt - die Malls.

Im Bild: Eine Mall in Ohio

Black Friday - The collapse of the american shopping mall

Quelle: Seph Lawless

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Der Brunnen in dieser Mall in Ohio plätschert schon lange nicht mehr. Künstler Lawless, der in der Nähe aufgewachsen ist, erinnert sich: "Ich bin mit diesen Malls groß geworden. Als Kind balancierte ich um den Brunnen herum und hörte dem Wasser zu."

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Quelle: Seph Lawless

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Den Niedergang der Malls, wie hier bei der Randall Park Mall in Cleveland, Ohio, könne man nicht allein mit der Wirtschaftskrise erklären. Im Verfall der Konsumtempel sieht Lawless auch einen Wandel der amerikanischen Gesellschaft: "Die Menschen in der Bevölkerung sind immer weniger miteinander verbunden. Bevor es soziale Medien und Computer gab, sind die Leute nicht nur zum Shoppen in die Malls gefahren, sondern um sich zu treffen. Es waren Begegnungsstätten."

Black Friday - The collapse of the american shopping mall

Quelle: Seph Lawless

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Für Menschen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, sei dieser Wandel tragisch, meint Lawless: "Eine ältere Dame schrieb mir vor Kurzem. Sie hatte meine Bilder gesehen und fragte mich, wo sie jetzt hingehen solle um sich zu unterhalten", so der Künstler.

Trotzdem spielen soziale Netzwerke im Web eine große Rolle für Lawless' Arbeit. Er bezeichnet sich selbst als "Artivist", also sowohl als Künstler als auch als Aktivist. Seine Bilder sollen auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen und möglichst viele Menschen erreichen. Deshalb veröffentlicht er sie auf Facebook und Instagram.

Im Bild: Eine Mall in Denver, Colorado

Black Friday - The collapse of the american shopping mall

Quelle: Seph Lawless

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"Gerade weil ich denke, dass soziale Medien dazu führen, dass die Leute sich weniger engagieren, will ich sie für meine Zwecke nutzen", sagt Lawless. Prominente Unterstützung erhält der Künstler auf Instagram unter anderem von den Popsängerinnen Rihanna und Miley Cyrus.

Im Bild: Eine Mall in New York

Black Friday - The collapse of the american shopping mall

Quelle: Seph Lawless

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Seph Lawless arbeitet unter einem vielsagenden Pseudonym. Sein selbstgewählter Nachname bedeutet "gesetzlos". Um seine Bilder aufnehmen zu können, musste der Künstler unzählige Male das Gesetz brechen, fast 50 Mal wurde er bereits verhaftet.

Im Bild: Eine Mall in Indiana

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Quelle: Seph Lawless

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Seit Lawless mit TV-Sendern wie CNN über sein Projekt spricht, häufen sich die Anzeigen. Zur Last gelegt wird ihm fast immer: Einbruch. Das Betreten der verlassenen Gebäude ist illegal. "Ich habe versucht für meine Projekte Genehmigungen zu bekommen, aber das ist aus Haftungsgründen unmöglich", sagt der Künstler.

Im Bild: Eine Mall in Ohio

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Quelle: Seph Lawless

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Lawless tut etwas Verbotenes und erhält dafür in sozialen Netzwerken Anerkennung - eine Kombination, die bei fast 300.000 Followern Nachahmer geradezu provoziert.

Mit Lawless als einem der Pioniere ist inzwischen eine ganze Bewegung enstanden. Von "Ruin Porn" oder "Urbex" (Urban Exploration) ist die Rede, wenn Fotografen in meist unzugängliche Räume eindringen, um Bilder zu machen. Die bevorzugten Objekte sind verlassene Fabrikhallen, Krankenhäuser und Kirchen.

Im Bild: Eine Mall in New York

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Quelle: Seph Lawless

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Auch Seph Lawless - hier in einer Sporthalle in Michigan - beschränkte sich am Anfang nicht allein auf Einkaufszentren. Inzwischen will er sich abgrenzen von Begriffen wie "Ruin Porn", die nahelegen, dass es rein um die Zurschaustellung der "Ruinen" geht.

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Quelle: Seph Lawless

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Wenn er fotografiert, ist Lawless fast immer alleine unterwegs. "Das kann schon manchmal stressig und auch beängstigend sein", sagt er. "Bei einigen Bildern herrschte draußen gerade ein schlimmes Gewitter. Das macht die Fotos unheimlich."

Im Bild: Eine Mall in Chicago

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Quelle: Seph Lawless

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Der Fotograf genießt aber auch die Stille während seiner Arbeit an verlassenen Orten: "Manchmal kann es dort sehr friedlich sein. Als ob die Welt untergegangen wäre und ich der einzige Überlebende bin. Dieses Gefühl, alles verloren zu haben und nichts mehr tun zu können, hat etwas Befreiendes."

Im Bild: Eine Mall in Philadelphia

© Süddeutsche.de/olkl

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