Beziehungen Wünsche äußern, ohne herabzusetzen

Wie mache ich dem anderen klar, was ich mir wünsche, ohne dass er sich fühlt wie ein Trottel? Das, sagt Bräu, sei eine der größten Herausforderungen in einer Partnerschaft. Würde man etwa den vorwurfsvollen oder sarkastischen Ton durch echtes Interesse ersetzen, erführe man immerhin, dass der andere durchaus vorhatte, die Spülmaschine auszuräumen. Nur eben nicht zum gewünschten Zeitpunkt.

"Erwartungen sind ok, aber Forderungen haben in der Liebe nichts zu suchen", sagt Bräu. "Ich kann nur um etwas bitten." So hat der andere zumindest die Wahl und fühlt sich ernst genommen. Deshalb bringe es auch nichts, die Botschaft pseudo-dezent zu verklausulieren: "Ach, du weichst die Töpfe über Nacht ein? Also ich spüle sie ja immer gleich." Das erinnert an die Eltern, die einem im Nacken sitzen - und erzeugt automatisch Widerstand. So wird der Streit schnell emotional.

Er sagt, sie sagt Er will an die Ostsee, sie will in die Wüste
"Er sagt, sie sagt" zu Urlaubsplanung

Er will an die Ostsee, sie will in die Wüste

Sie träumt von Kameltrekking durch die Sahara und anderen Abenteuern. Er bleibt lieber im Schatten, am besten daheim. Paarkolumne "Er sagt, sie sagt" zur Urlaubsplanung.   von Violetta Simon

Lieber sollte man offen formulieren, was man sich wünscht. Dann kommt man auch schneller zu einer pragmatischen Lösung: "Wir haben eine Putzfrau engagiert", zietiert broadly.vice.com eine Leserin namens Alice. "Das hat unsere Ehe gerettet."

Sich immer einig sein, das gibt es nicht - höchstens bei sehr konfliktscheuen Menschen. Doch wer seinen Ärger über den Partner nicht rauslässt, schadet nachweislich seiner Gesundheit. Psychologen gehen davon aus, dass unterdrückte Konflikte sich negativ auf Blutdruck, Immunsystem und Magen-Darm-Trakt auswirken - und somit die Sterblichkeitsrate bei solchen Paaren deutlich erhöhen.

Jeder Mensch hat nun mal eigene Vorstellungen und Bedürfnisse. Natürlich gibt es Dinge, die beide mögen, sagen wir Urlaub in Thailand. Doch dann liegen sie am Strand und er kriegt plötzlich Hunger, weil er morgens nichts runterbekommt. Wohingegen sie ausgiebig frühstückt. Wer harmoniebedürftig ist, sagt: "Ok, gehen wir essen" - obwohl er keinen Hunger hat. Und stochert dann lustlos in seinem Reis.

"Wichtig ist, dass man hier eine erwachsene Haltung einnimmt", sagt Bräu. Das bedeutet: die Bedürfnisse des anderen erfüllen, ohne sich dabei aufzugeben. Und eigene Bedürfnisse wahrnehmen bzw. artikulieren. Sie könnte also mitgehen, einen Kaffee trinken und ihr Buch dabei weiterlesen.

Liebe Die Frau, die mich fertig machte
SZ-Magazin
Partnerschaft

Die Frau, die mich fertig machte

Kaum war er ihr begegnet, war er ihr verfallen. Die Frau ließ ihn nie ganz nahe kommen, hielt ihn aber auch nicht wirklich auf Abstand. Unser Autor verzweifelte an dieser Liebe, doch er lernte eine Menge - über sich.

Gerade Frauen tun sich schwer damit, klar auszudrücken, was sie wollen. Eine typisch weibliche Art, eigene Bedürfnisse zu kommunizieren, sieht so aus: Das Paar ist auf der Autobahn unterwegs, sie hat Durst. Statt ihn zu bitten, an der nächsten Möglichkeit rauszufahren, fragt sie ihn: "Möchtest du vielleicht etwas trinken?" Will er nicht, also sagt er "nein".

Als reife Persönlichkeit müsse man in der Lage sein, für sich einzustehen und die Dinge, die einem wirklich wichtig sind, durchzusetzen, sagt Bräu. "Wenn er bei 35 Grad in der MIttagshitze nicht durch Palma schlurfen will, muss er das auch nicht, Punkt." Dafür könne man dem Partner bei anderen Dingen entgegenkommen.

"Manche fürchten, sie verlieren, wenn sie nachgeben, und beharren auf ihrem Recht. Doch es ist wichtig zu differenzieren, dass nachgeben nicht bedeutet, unterlegen zu sein." Am Ende sollte klar sein: Wir sind uns einig. Nicht, weil wir dasselbe wollen, sondern weil wir es geklärt haben - und uns selbst dabei treu sein können. "Einige Dinge tut man einfach aus Liebe, auch das ist eine Haltung", sagt Bräu. "Und dann zieht man auch keine Fresse dabei."

* Name von der Redaktion geändert