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Zum Tod von Joe Arroyo:Salsa Superstar

Sein Tod wurde nicht zum ersten Mal verkündet, doch diesmal ist es wahr: Joe Arroyo, der Superstar der "Salsa tropical", ist gestorben - und Kolumbien trauert. Die Musiklegende hatte auf Privatparties von Multimillionären ein Vermögen verdient und war schon in den achtziger Jahren an den Folgen von Drogenexzessen erkrankt.

Die letzte Hoffnung seiner Fans war, dass er wieder die Bühne betreten, dort singen und den tun-tun tanzen würde, den Schritt, der ihn weltberühmt gemacht hatte. Als unlängst die Nachricht kam, Joe Arroyo liege todkrank in einer Klinik, da dachten viele, es handle sich um eine weitere Schlacht im bewegten Leben des Königs der "Salsa tropical", des nicht-kubanischen Zweigs der Salsa-Musik. Seine Frau hatte sogar schon ein Comeback-Konzert organisiert, die Karten waren sofort ausverkauft. Doch dieses Mal sang und tanzte der Meister des tun-tun nicht mehr.

File photo of Colombian musician Arroyo during a salsa concert in Mexico city

In Barranquilla und in Arroyos Geburtsort Cartagena riefen die Behörden eine dreitägige Trauerzeit aus: Salsa-Superstar Joe Arroyo ist gestorben.

(Foto: REUTERS)

Am Dienstagmorgen ist Arroyo, 56, in einem Krankenhaus an der Karibikküste gestorben. Es war nicht das erste Mal, das sein Tod verkündet worden war. Als das junge Talent Anfang der achtziger Jahre die Star-Band Fruko y sus tesos verließ, litt er an einer Schilddrüsenkrankheit und den Folgen von Drogenexzessen - so sehr, dass ein lokaler Sender meldete, er sei gestorben. Damals kam er zurück - und jung und ungestüm wie er war, erfand er die Salsa neu.

Arroyo war 1955 in Cartagena zur Welt gekommen und wuchs in den armen Gegenden afrikanischer Nachfahren. Neben Spanisch lernte er Bantú, eine Sprache, die senegalesische Sklaven nach Kolumbien gebracht hatten und zum stolzen Emblem der schwarzen Gemeinschaft in der Küstenstadt werden sollte. Im Schulchor und auf dem Treppenabsatz der örtlichen Bordelle lernte Arroyo, was er für die Musik brauchte: keine Noten und Akkorden, nur die Stimme zu benutzen, um seine Ideen auszudrücken. Er wollte die frenetische "Salsa brava" aus New York beherrschen, die die Karibik mit komplexen Kompositionen, den Freiheiten des Jazz und des politischen Engagements der 60er und 70er erreichte.

Ohne musikalische Ausbildung und kraft seines absoluten Gehörs revolutionierte er schon als 17-Jähriger die Kunst - zuerst mit Fruko und dann mit seiner eigenen Band La Verdad, mit der er zwischen 1985 und 1990 jedes Jahr ein Album produzierte. Ein neuer Stil war geboren, der joesón. Seitdem klingt Salsa auch wie Calypso, Soca, Cumbia und Reggae.

Salsa wurde zur karibischen Enklave der afrikanischen Tradition. So fanden schwierige Trommelwerke, Körperpercussion und seltene Mundgeräusche neben der potenten Stimme Arroyos ihren Weg auf Platten, die internationale Hits wurden. "Rebelión" und "En Barranquilla me quedo" zählen zu den Songs, die ihn um die Welt brachten. Er spielte in London bei der BBC, in Madrid vor dem König und schloss eine Zusammenarbeit mit Island Records ab.

Der Erfolg kam so schnell wie die Exzesse. Kokain und Alkohol brachten das Genie aus Cartagena viel zu oft ins Krankenhaus - und immer wieder kam er raus, um neue Abenteuer zu erleben. Als Privatmusiker von Milliardären aller Art soll er selbst Millionen gesammelt haben. In den Jahren der großen Drogenkartelle in Kolumbien spielte er bei halb legalen Partys, bei denen er die politischen und sozialen Eliten des Landes kennenlernte. Der Mann wurde zur lebenden Legende.

Mit der Gesundheit ging es allerdings stets bergab. Neben den Schilddrüsen büßten auch seine Lungen und Nieren ihre normale Funktion ein, er litt an Diabetes, an Problemen mit den Füßen und der Haut. Doch auch nach dem Tod seiner Tochter im Jahr 2001 trat er trotzdem weiter auf. Als ein Reporter des Rolling Stone vor einigen Jahren sich auf ein großformatiges Interview vorbereitete, rechnete er die Auftritte auf: Es waren 200 pro Jahr.