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Kunst:Kabarettist Werner Schneyder ist tot

Werner Schneyder gestorben

Mehr als 1000 Mal stand Werner Schneyder auf der Bühne. Er ist mit 82 Jahren in Wien gestorben.

(Foto: dpa)
  • Der Satiriker Werner Schneyder ist im Alter von 82 Jahren in seiner Wiener Wohnung gestorben.
  • Der Kabarettist betätigte sich auch als Sportkommentator, Autor und Dramaturg.
  • "Mir sind die Erfolge passiert", sagte Schneyder über seinen Lebenslauf.

Der österreichische Kabarettist, Moderator und Autor Werner Schneyder ist tot. Schneyder, der für seine gemeinsamen Auftritte mit Dieter Hildebrandt ebenso bekannt war wie für seine Einsätze als Boxkommentator starb im Alter von 82 Jahren in Wien.

In seinen mehr als 1000 Auftritten in Österreich und Deutschland kommentierte der Satiriker die Verhältnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sein politischer Standpunkt: vielfarbig. "Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links", sagte Schneyder über Schneyder.

Der 1937 in Graz geborene Schneyder erwarb einen Doktortitel in Publizistik, war zunächst Lokal-Sportreporter und Werbetexter. Später arbeitete er in Salzburg als Theaterdramaturg und schrieb auch Theaterkritiken, bevor er wiederum die Seiten wechselte und selbst als Kabarettist auf der Bühne stand. Meist verfolgte er seine Interessen parallel, war gleichzeitig Autor und Kabarettist, Schauspieler und Aphoristiker oder Regisseur und Drehbuchautor. "Mir sind die Erfolge passiert", kommentierte Schneyder selbst seine Biografie.

Zeitweise schrieb er Kolumnen im Playboy, verfasste insgesamt etwa 20 Bücher. Bekannt wurde Schneyder in Deutschland als kongenialer Partner von Kabarett-Legende Hildebrandt. Das erste gemeinsame Programm "Talk täglich" wurde 1974 in der Münchner "Lach- & Schießgesellschaft" ein Riesenerfolg. "Es war eine politische Seelenverwandtschaft", sagte Schneyder über seine gemeinsamen Jahre mit dem Künstler.

Im Bundespräsidentenwahlkampf in Österreich 2016 unterstützte Schneyder wie andere Künstler den Grünen-nahen Alexander Van der Bellen. Den rechtspopulistischen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer fand er schwer erträglich. Schneyder gehörte zu den Intellektuellen mit starker Abneigung gegenüber dem Islam. "Der Islam gibt mir partout keine Auskunft darüber, was er von Selbstmordattentätern hält. Mir fehlt die Distanzierung islamischer Geistlicher zu den Motiven der Anschläge", sagte er einmal in einem Interview. "De jure ist er eine Religion, die die Weltherrschaft anstrebt." Die Toleranz, die dem Islam gegenüber oftmals aus politischer Korrektheit gepflegt werde, halte er für falsch.

Privat wurde Schneyder vom Krebstod seiner ersten Frau Ilse schwer getroffen. Deren Leidensweg erzählte er 2008 im Buch "Krebs. Eine Nacherzählung" auf drastische Weise. Das Buch geriet zur Anklage gegen die ärztliche Kunst.