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Wiener Weltmuseum:Die verbotenen Trompeten des Yurupani

Das Wiener Weltmuseum hat sich als ethno­logisches Museum neu erfunden.

Von Jörg Häntzschel

2005, ein Jahr nachdem die junge Ethnologin Claudia Augustat ihren Job als Kuratorin beim Weltmuseum in Wien angetreten hatte, erhielt sie einen verlockenden Auftrag. Sie sollte nach Surinam am Rande Amazoniens reisen, um bei den Saamaka, Nachfahren entflohener Sklaven, Schnitzkunst, Textilien und Alltagsgegenstände für das Museum zu kaufen. Augustat kehrte zufrieden zurück. Doch im Rückblick bereut sie ihren Trip. Die paar Tage reichten nicht aus, um in einen ernsthaften Kontakt mit den Menschen zu treten. Sie konnte kaum beurteilen, was sie erwarb. Und wusste auch nicht, dass sie für die 1500 Euro, die sie dort ausgab, Objekte kaufte, die viel mehr wert waren. Dass die Leute ihre Gegenstände so günstig und willig abgaben, lag daran, dass sie kaum die Möglichkeit haben, an Bargeld zu kommen. "Es war ein Verhältnis der Ungleichheit, eigentlich der reine Kolonialismus", sagt sie heute. "Ich würde das nie wieder machen."

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