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Vorschlag-Hammer:Wehmut und Abschied

Manche Musiker ziehen sich zurück, wenn sie spüren, dass sich etwas am Spielvermögen verändert. Andere wagen Auftritte bis ins höchste Alter

Manchmal glaubt man, in einem Konzert so etwas wie den Abschied eines Musikers zu erleben. Es gibt welche, da kündigt sich das Farewell schon länger an, freut man sich über jedes Wiedererscheinen und bangt zugleich, dass es das letzte Mal gewesen sein könnte. So war es bei den letzten Auftritten etwa des großen Rudolf Serkin oder etwa der Dirigenten Sergiu Celibidache oder Herbert von Karajan. Zuletzt war es so bei Mariss Jansons, der am Ende seiner letzten Konzerte den Jubel des Publikums leichenblass, erschöpft, aber dem Lächeln nach glücklich entgegennahm.

Manche Musiker ziehen sich schon zurück, wenn sie spüren, dass sich etwas so verändert am Spielvermögen, das mit ihrem Verantwortungsbewusstsein als Künstler nicht mehr glaubhaft zu vereinen ist. Andere wagen Auftritte bis ins höchste Alter, weil sie trotz aller Einschränkungen immer noch etwas von jener Ausdrucksmagie vermitteln können, die ihre Einmaligkeit ausmacht: Der uralte Ivry Gitlis spielt in Hamburg mit Martha Argerich Fritz Kreislers Liebesleid unvergesslich - fadendünn im Ton, aber unverwechselbar der Gitlis-Zauber. Oder letzthin bot der in die Jahre gekommene Cellohaudegen Mischa Maisky in Elmau die Modinha aus Heitor Villa-Lobos' Bachianas Brasileiras Nr. 1 mit solcher Wehmut und Schmerzlichkeit, das eben der Gedanke an den Abschied aufkam.

Es gibt allerdings auch solche, denen es nur darum geht, schneller als die Schnellsten, lauter als die Lautesten, leiser als die Leisesten zu sein: Durchaus beeindruckend als Event, doch ob es auch mit Musik zu tun hat, ist eine ganz andere Frage.

Aber jetzt auf zu neuen Heldentaten: Julia Fischer spielt Sergei Prokofjews 1. Violinkonzert im Gasteig (19.1.); dort widmet sich Evgeny Kissin Beethoven-Sonaten (20.1.). Am Dienstag (21.1.) gibt's die Qual der Wahl: Entweder Janine Jansen, Violine, und das römische Orchester di Santa Cecilia unter Sir Antonio Pappano im Gasteig oder das Calidore String Quartet in der Allerheiligen Hofkirche.

© SZ vom 18.01.2020
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