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Vorschlag-Hammer:Es kommt ein Schiff, beladen

Auf Kreuzfahrt durch die Kulturwelt Münchens landet der Mensch an den unglaublichsten Orten

Meine Freundin arbeitet auf einem Kreuzfahrtschiff. Das Ganze begann vor einem Jahr mit dem Wunsch, "nochmal was ganz Anderes" zu machen. Aktuell reist sie mit einem riesigen fahrenden Einkaufszentrum voller Touristen um die Welt, buchstäblich. Jeden Sonntag schickt sie eine mehrminütige Sprachnachricht, in der sie erzählt, was sie erlebt hat. Radeln in Rio de Janeiro, Tangokurs in Buenos Aires. Sie hat vergangene Woche das Kap Hoorn umfahren und den Amalia Gletscher in Chile gesehen. Ich freue mich sehr über ihre Nachrichten, auch wenn ich natürlich mit ihren Geschichten nie mithalten kann. Vergangene Woche umfuhr ich das Maximilianeum. Aber zu gern will ich wissen, wie sie mit der Tatsache umgeht, dass diese Schiffe die größten Dreckschleudern sind. Ich weiß, jetzt klinge ich viel strenger, als ich klingen will. Ich verurteile niemanden, der sich zur Rente eine Weltumfahrung gönnt, zumal ich selbst in diesem Jahr öfter geflogen bin, als ich zugeben will. Ich merke nur, dass meine Freundin diese Themen so gar nicht zu beschäftigen scheinen. Und ich frage mich, ob sie in ihrem fröhlichen Kreuzfahrtschifffahren vielleicht einfach weniger heuchlerisch ist als ich, die trotz besserem Wissen und schlechtem Gewissen ins Flugzeug steigt.

Um Umweltschutz geht es gewissermaßen auch in Michael Endes Der Wunschpunsch. In dem wunderbaren Buch, erschienen 1989, retten ein Rabe und ein Kater die Welt vor der absoluten Verschmutzung durch eine Hexe und einen Zauberer. Die fahren zwar nicht mit dem Kreuzfahrtschiff, rühren aber ein alles vernichtendes Gebräu an, weil sie qua Vertrag Schlechtes tun müssen, Flüsse vergiften, Tierarten ausrotten. Im Pathos haben die beiden Theaterleiterinnen Judith Huber und Lea Ralfs den Roman für die Bühne adaptiert (Sonntag, 8. Dezember, 16 Uhr, ab 4 Jahren), passend zur Weltlage. Zur Weltlage im Allgemeinen hat auch Stefanie Sargnagel immer etwas Schlaues oder zumindest Lustiges zu sagen. Sie tritt am 15. Dezember, um 20 Uhr gemeinsam mit Stand-up-Comedian Denice Bourbon und der Berliner Songschreiberin Christiane Rösinger im Volkstheater auf. Legends Of Entertainment heißt das Programm unbescheiden, und ich bin ziemlich sicher, der Name ist verdient. Unter dem hoffnungsvollen Titel "Immerhin" ist Kabarettist Thomas Steierer unterwegs, sein Solo "Galgenhumor 4.0." ist am 9. Dezember, 21 Uhr, im Schwarzen Dackel im Westend zu sehen. Er thematisiert in seinen Texten trocken die Unwägbarkeiten eines möglicherweise sinnlosen Lebens. Ob ein Kreuzfahrtschiff darin vorkommt, weiß ich allerdings nicht.