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Von Kassel bis Venedig:Inspirationen in Venedig

von Autofahrern an ihre heftigen Unfälle als Rezitativ wiedergaben, und fühlte sich in jene Dunkelheit ein, in der die chilenischen Bergleute im Herbst 2010 für 69 Tage ausharren mussten. Oder man musterte eine - von der Biennale-Jury preisgekrönte Kollektion öffentlicher Mülleimer aus diversen Ländern, die damit auf ungewöhnliche Weise porträtiert wurden.

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Der im Juni 2010 aufgestellte Baum "Idee di Pietra" von Giuseppe Penone, das erste veröffentlichte Kunstwerk zur 13. Documenta.

(Foto: dpa)

So könnte insgesamt ein Beutetag mit Impressionen in Venedig ausgefallen sein. Jeder kann sich sein Gegenwarts-Kaleidoskop zusammenstellen, denn für alle Besucher halten die großen Überblicksschauen mindestens ein paar Eindrücke bereit, die nachwirken und für die es sich dann auch gelohnt hat zu kommen. Oder?

Ist es nicht doch etwas zu niedrig gegriffen, wenn eine Ausstellung sich in einem massenhaften Angebot möglichst homogener Qualität erschöpft, bei dem für jeden schon irgendwas dabeisein wird? Den wachsenden Besucherzahlen steht ein nicht minder wachsendes Unbehagen auf Seiten der Kritiker am Biennale-Betrieb und den Massenausstellungen gegenüber. Die Vorwürfe lauten - weit über die letzte Venedig-Biennale hinaus auf Redundanz, Routine, Marktgängigkeit, Messe-Look der Veranstaltungen.

Beklagt wird nicht nur eine in den eigenen Bahnen zirkulierende Kunst, die - als "ästhetischer Journalismus" oder in den zahllosen Varianten eines Retro-Konzeptualismus - Fußnote um Fußnote zu ihrer eigenen Vorgeschichte anhäuft, ohne eine eigene Geschichte zu begründen. Zur Disposition steht auch die Institution Ausstellung in ihrer Funktion der Meinungsbildung.

Tatsächlich gelingt es nur wenigen Großausstellungen, ihre eigene Notwendigkeit unter Beweis zu stellen, ein Nachweis, der auch durch Quote nicht erbracht werden kann. Niemand erwartet von einer Biennale eine Kette mehrerer hundert Schlüsselwerke unserer Zeit. Zu oft bleibt aber die Frage unbeantwortet, warum es überhaupt immer viele hundert Werke sein müssen, die man sich zu Gemüte führen soll - worin der Mehrwert der Masse bestehen soll und ob diese mit der gezeigten Kunst überhaupt etwas zu tun hat.

Die geringsten Erwartungen, die sich vor diesem Hintergrund an den kommenden Sommer richten, bestehen in Ausstellungen, die ihre Auswahlkriterien schärfen und ihre Dringlichkeit auf gesamter Strecke zu formulieren wissen. Zeitgenossenschaft auf den Punkt zu bringen, ist 2012 vor allem von der Documenta 13 gefordert. Aus der Künstlerliste sind bislang noch nicht allzu viele Namen nach außen gedrungen - darunter Etel Adnan, Carol Bove, Thea Djordjadze und Mariana Castillo Deball, Willie Doherty, Dora Garcia, Simryn Gill, Trisha Donnelly, Amar Kanwar und Allora/Calzadilla.

Collapse and Recovery" nennt die d-13-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ihr großes Leitmotiv. Seine Aktualität lässt sich mit Blick auf Afghanistan, Tunesien, Ägypten kaum bezweifeln. Die Amerikanerin will Architekturen der fünfziger Jahre von Paul Bode (1903 bis 1978) und seinem Bruder Arnold Bode (1900 bis 1977), dem Begründer der Documenta im Jahr 1955, als historischen Resonanzboden erschließen. Niedergang und Neuanfang, ein ureigener Kasseler Stoff, sollen an den Ort der Documenta zurückgebunden werden. Wenn diese Rückkoppelung von Gegenwart und Zeitgeschichte gelingt, könnte die Documenta eine interessante Standortbestimmung werden.

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