Männlichkeit in der Krise Warum Trump Frauen in seinem Team dringend braucht

Ist Steve Bannon in gewisser Weise der typische Trump-Wähler? Ein weißer Mann, der lange ignoriert und nicht ernstgenommen wurde - in den vergangenen Jahren durfte er nicht mal als Redner bei der CPAC auftreten, also hat Breitbart eine Gegenveranstaltung für alle "Nicht-Eingeladenen" abgehalten.

Vielleicht. Aber ich sehe in Bannon nicht so sehr den wütenden, weißen Mann, als vielmehr einen brillanten Manipulator wütender, weißer Männer. Er ist der Goebbels der Trump-Regierung. Er weiß, wie man Gefühle manipuliert, er weiß wie man eine wütende Masse lenkt. Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob er selbst wirklich Wut fühlt. Er ist sehr clever. Bei ihm geht es weniger um Emotion, als um Macht.

Wie kommt der typische Trump-Wähler mit Frauen wie Kellyanne Conway oder Ivanka Trump klar? Das sind Frauen mit erfolgreichen Karrieren.

Ich sehe keine von beiden als vorbildhafte Feministin. Schließlich sind das Frauen, deren erfolgreiche Karrieren darauf basieren, anderen Frauen zu raten, keine Karriere zu haben. Für mich sind sie gewissermaßen die reizenden weiblichen Anhängsel des Trump-Regimes. Er war immer umgeben von schönen Frauen, er dachte immer, dass er mit Frauen machen kann, was er will. Vor dem Hintergrund seines offensichtlichen Sexismus' ist es wichtig für ihn, dass Frauen für ihn einstehen.

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Nach der Wahl bekommen nicht nur die erwähnten wütenden, weißen Männer jede Menge Aufmerksamkeit, sondern auch extremere Gruppen wie die Altright-Bewegung. Wie gefährlich ist das?

Es ist tatsächlich so, dass nach der Wahl Altright und einige extremere Gruppen am rechten Rand eine größere Legitimation bekommen haben. Aber ich glaube, der dramatische Anstieg an Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, der allgemeine Antisemitismus, die Anti-Einwanderer-Stimmung, Typen, die in Flugzeugen Immigranten anschreien - das ist nicht Altright. Das sind keine Typen, die "Mein Kampf" lesen und wollen, dass die weiße Rasse die Herrschaft übernimmt. Das sind Leute, die genug davon haben, von der Political Correctness kontrolliert zu werden, so wie sie das empfinden. Trump hat es geschafft, diesen Ärger zu kanalisieren, der etwa so klingt: Überall musst du aufpassen, was du sagst. All diese Frauen, sie fühlen sich ständig angegriffen. Schwarze fühlen sich angegriffen. Man wird bestraft, weil man ein weißer Mann ist.

Hat der typische Trump-Unterstützer ein anderes Männlichkeitsbild als zum Beispiel ein Altright-Anhänger?

Trump steht für den Männlichkeitstypus des Schulhof-Tyrannen. Der Tyrann hat ständig Angst davor, dass er zu klein ist, dass er schwach ist - darum sucht er sich immer Opfer, die ihm unterlegen sind. Der typische Satz, den man zu einem Schulhof-Tyrannen sagt, ist: "Such' dir jemanden, der dir ebenbürtig ist!" Trump ist also ein klassischer Tyrann. Ich denke, das passt zu einem grundsätzlicheren Trend in unserer Gesellschaft: Viele Weiße aus der prekären Mittelschicht, vor allem weiße Männer, haben das Gefühl, dass sie von dieser mächtigen Regierung in Washington drangsaliert wurden. Und noch schlimmer, sie wurden von einer weibischen Regierung gegängelt, dem Nanny State, wie sie das nennen.