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TV-Kritik: Ochsenknecht-Brüder bei "Kerner":"Wenn du was kannst"

Jetzt werden die Ochsenknecht-Brüder auch schon zu Rentendiskussionen eingeladen. Hauptsache, Kerner hatte Spaß: Kreischende Fans vor der Halle und zeternde Gäste in der Show.

Sarah Ehrmann

Es war sein Abend. Eine Sendung, genau nach Johannes B. Kerners Geschmack. Während der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm und Rentenkritiker Bernd Klöckner wie im Hahnenkampf aufeinander losgingen, die beiden Ochsenknecht-Söhne den wohlerzogenen Gegenpol spielten und auch TV-Anwalt Ingo Lenßen und Fernsehkoch Horst Lichter irgendwo untergebracht werden wollten, lief der Moderator zur Höchstform auf.

Lichter, Ochsenknecht, ZDF/Wolfgang Lehmann

Präsentierten sich als junge Erwachsene mit Spaß: Jimi Blue (links) und Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Starkoch Horst Lichter zeigte sich begeistert.

(Foto: Foto: ZDF/Wolfgang Lehmann)

Kerner scherzte, kommentierte, provozierte gar - und es gelang ihm, locker und entspannt, das Gespräch mit den sechs höchst unterschiedlichen Gesprächspartnern in die gewünschte Richtung zu lenken, so wie man es sich von einem guten Moderator wünscht und von Kerner sonst nicht kennt.

Dabei war die Themenkombination der Sendung - Rente, aufstrebende junge Superstars, ein (nicht mehr) nichtrauchender Koch und Mieterrechte - alles andere als einfach. Teils entbrannten heiße Debatten, teils wurde daraus ein Pläuschchen.

Man kann sich durchaus fragen, ob es notwendig ist, Norbert Blüm, 72, der vor 22 Jahren den Slogan prägte "Eins ist sicher - die Rente!" gerade auf den extremen Rentenkritiker Bernd Klöckner loszulassen. Der Finanzexperte, 42, fordert ein neues Rentensystem und das Ende der "Rentenlüge" in Deutschland. Das musste ja Zoff geben. Dabei hatte sich Kerner alles so gut ausgedacht: Zwölf Minuten wollte er beiden Rednern geben, um ihren Standpunkt und eventuelle Lösungsansätze so vorzubringen, dass die Zuschauer - und die beiden Ochsenknecht-Brüder - alles verstehen konnten. Das gelang nur zum Teil.

"Bis zum 79. Lebensjahr geben die Menschen der Gesellschaft mehr zurück als sie beanspruchen", behauptete Klöckner und konnte die Frage, wann er selbst aufhören wolle zu arbeiten, nicht so richtig beantworten. Vielleicht so bis 58, 60, räumte er schließlich ein - obwohl er zuvor implizit klargemacht hatte, dass er eigentlich nie aufzuhören gedenke. "Spart heute", riet er Jimi Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht, "Konsumverzicht heute und morgen. Legt zurück!" Das momentan Umlagesystem fahre schließlich gegen die Wand.

Doch damit war er bei Jimi und Wilson an die Falschen geraten. "Sie reden wie ein Politiker", wagte Jimi Blue sich vor. Die Aufforderung zum Sparen ignorierten die Brüder geschickt. Wäre auch seltsam gewesen, wo sich der Konsum der Teenager-Generation doch direkt auf ihre eigenen Konten auswirkt und die Jungs mit allem werben, was Konsum anregt: Von vorgelebten Klamottentrends bis hin zur Jimi-Blue-Kreditkarte, die auch Minderjährige in einer Prepaidversion auf der Homepage des 16-Jährigen erstehen können.

Auf der nächsten Seite: Wie Blüm und Klöckner aneinandergeraten und woran sich zeigt, dass die Ochsenknecht-Söhne Vermarktungsprofis im Showgeschäft sind.

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