bedeckt München

Theater:Schweigen als Kriegswaffe

Dem Tod nahe: Philippe Girard als Lear im Cour d'Honneur, dem Ehrenhof des Papstpalastes in Avignon.

(Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Ist kein Sinn in der politischen Welt: Das Festival d'Avignon eröffnet mit Shakespeares "König Lear".

Von Joseph Hanimann

Was sollen noch Dichter in dieser schlimmen Zeit? Auf die Frage, die Olivier Py in seiner Eigenübersetzung von Shakespeares Tragödie "König Lear" dem Herzog von Albany als Schlusssatz in den Mund legt, will das diesjährige Festival in Avignon insgesamt Antwort geben. Wo die resignierende Vernunft mit der Sprachlosigkeit der Zahlen die Empörung in der Gesellschaft mundtot machen wolle, müssten Dichter und Künstler her, schreibt der Festivalintendant im Geleitwort zum Programm. "Je suis l'autre" (Ich bin der andere) hat er seinen Text in offener Anspielung auf die populäre Bekennungsformel "Je suis Charlie" betitelt. Für die politische Dimension des Festivals, das anders als im Vorjahr ohne Streikdrohung begann, steht Olivier Py mit seinem gesamten bisherigen Werk ein, vom "Requiem für Srebrenica" (1998) bis zum Stück "Adagio" über den späten François Mitterrand. Politik wird bei ihm nicht nur szenisch illustriert, reflektiert, abstrahiert, sondern soll poetisch vertieft werden.

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Donald Trump
USA
Trumps löchrige Lügen
Post-Corona
Das Leben danach
Symbolbild Warten
Pandemie
Leben in der Warteschleife
Weddings in the Coronavirus pandemic
Kalifornien
Paradise Lost
Medizin
Die Vulva, ein blinder Fleck
Zur SZ-Startseite