Theater Rausch und Ring

Auf der kleinen Bühne des Hofspielhauses: Fatima Dramé und Norbert Groh am Flügel.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Das Hofspielhaus zeigt als Eigenproduktion "Tagebuch einer Liebe". Sie ist so komplex, wie die Liebe selbst

Von hanna Emunds

Die neue Eigenproduktion des Hofspielhauses ist eine Collage der Liebe. Christiane Brammer hat dafür mehrere unterschiedliche Geschichten zu einer großen Erzählung verflochten. Die Regie des Abends, den sie unter den Titel "Tagebuch einer Liebe" stellt, führt Brammer selbst. Einen Hauptstrang bilden dabei die "Brautbriefe Zelle 92", ein Briefwechsel zwischen Maria von Wedemeyer und ihrem Verlobten, dem Theologen Dietrich Bonhoeffer, der 1943 wegen seines Widerstandes gegen das NS-Regime verhaftet worden ist. Ein weiterer Strang findet sich im "Tagebuch eines Verschollenen", einem Klavierzyklus mit Gesang des tschechischen Pianisten Leoš Janáček. Er erzählt die Geschichte des jungen Bauernsohns Janiček, der sich in "die Zigeunerin" Zeffka verliebt und erwägt, sein altes Leben für sie aufzugeben.

Eine logische Beziehung zwischen den beiden Teilen gibt es nicht. Zusammengehalten werden sie von der übergreifenden Liebesgeschichte der Protagonisten Zeffka und Janiček, Letzterer ist jedoch noch lange gar nicht auf der Bühne zu sehen. Mit Zeffka, gespielt von Fatima Dramé betritt der Pianist Norbert Groh die Bühne. Sie liest aus den Briefen, er spielt Janáčeks Musik. Beides ergänzt sich gut, man könnte fast glauben, es wäre füreinander geschrieben. Kurz vor der Pause erscheint dann Janiček. Doch ist er kein Bauernsohn, sondern ein Tenor (Markus Herzog), der zur Probe mit Groh verabredet ist. Er sieht Zeffka, sie ihn: Es ist Liebe auf den ersten Blick. Auf den ersten Kuss folgt dann auch schon die Pause.

Anders als in Janáčeks Original "Tagebuch eines Verschollenen" ist es bei Brammer nicht der soziale Status, der die beiden Liebenden trennt, sondern sein Ehering, den der Tenor immer wieder demonstrativ auszieht, wenn es nach der Pause weitergeht. Die Texte des Klavierzyklus wurden allerdings nicht angepasst. Die Sinnschere nimmt Brammer in Kauf. Janiček und Zeffka sind schön anzusehen und anzuhören, auch wenn Herzogs Stimme fürs kleine Hofspielhaus gelegentlich zu mächtig erscheint. Fatima Dramĕs Singstimme hat unterdessen so viel Soul, dass man versteht, warum Janićek ihr verfallen ist.

In Summe ist "Tagebuch einer Liebe" so komplex, dass man sich fragt, warum Brammer aus so viel gutem Stoff nicht zwei Theaterabende gemacht hat.

Tagebuch einer Liebe, Do., 13. Juni, Fr. 28. Juni, Sa., 29. Juni, 20 Uhr, Hofspielhaus, Falkenturmstraße 8, t 24 20 93 33