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Theater:Jörg Hube zum Gedächtnis

Jörg Hube, 1993
(Foto: SZ Photo)

"München ist ärmer geworden", sagte der damalige Oberbürgermeister Christian Ude bei der Beerdigung von Jörg Hube, und das war nicht einfach nur eine Floskel, sondern stimmt zehn Jahre später immer noch. Niemand kann die Lücke füllen, die der bayerische Schauspieler, Freidenker und Kabarettist durch seinen viel zu frühen Tod - er starb am 19. Juni 2009 im Alter von 65 Jahren an Krebs - in der Münchner Kulturszene riss. Und weil der Prachtkerl Jörg Hube nicht nur nicht vergessen ist, sondern als Ausnahmeerscheinung von vielen vermisst wird, haben Freunde, Kollegen und Weggefährten im Münchner Theater im Fraunhofer und der dazugehörigen Wirtschaft eine umfängliche Veranstaltungsreihe rund um den 10. Todestag des Künstlers organisiert. Die Hube-Gedenkwochen umfassten Erinnerungs-Frühschoppen, Lesungen und eine Filmreihe ebenso wie Auftritte von humanistischen Komplizen wie Georg Ringsgwandl, Hans Well & Wellpappn, Gerhard Polt und die (restlichen) Well-Brüder. Sie enden an diesem Samstag mit einer Collage aus Texten, Liedern und Briefen Hubes, vorgetragen von dem Schauspieler und Filmregisseur Christian Lerch. Der Titel verweist auf die explosive Hirnwut, die den (jäh)zornigen Anarchisten Hube um- und antrieb: "Mein Kopf ist eine Bombe."

Dickköpfig, stur, geerdet, rebellisch, mal zärtlich und leise, mal polternd hart - Hube war als Mensch wie als Schauspieler von einer aufregenden Wahrhaftigkeit. Er war ein Charakterkopf. Einer, der alles Falsche, Anmaßende, Heuchlerische hasste. Ein Wucht- und Wutschauspieler mit einer manchmal fast beängstigenden Präsenz. Ob im Theater von Dieter Dorn, in der "Löwengrube" des Bayerischen Fernsehens oder als Sprengmeister in Edgar Reitz' filmischem "Heimat"-Epos - Hube spielen zu sehen, war stets ein Ereignis. Die volle Sprengkraft dieses Widerständigen konnte man vor allem in seinen "Herzkasperl"-Kabarettprogrammen erleben. Der Künstler als Anarcho-Hanswurst. Böse menschliche Abgrundforschung, hohe Schule des Grantlertums. Hube erzählte einmal, wie ihn auf der Straße einer ansprach: "Herr Hube, jetzt muss ich Ihnen sagen, ich war bei Ihnen im Programm, und ich war danach drei Tage so frech."