Theater Frauen und Fragen

Patrick Wengenroth inszeniert im Studio der Berliner Schaubühne einen feministischen Theaterabend. Die Männer kommen darin nicht so gut weg. Aber vielleicht haben sie auch ein bisschen Mitleid verdient.

Von Peter Laudenbach

Manchmal läuft das Theater geradezu rührend den aktuellen Debatten hinterher - zum Beispiel in Berlin. Am vergangenen Sonntag verbreiteten die ägyptische Feministin Mona Eltahawy und die Britin Laura Penny ("Fleischmarkt"), die Vordenkerin eines jungen, dezidiert linken Feminismus, im gut besuchten Haus der Berliner Festspiele angriffslustigen Kampfgeist. Drei Tage später nun brachte Patrick Wengenroth im Studio der Schaubühne einen schlauen und grundsympathischen Abend "über Frauen und Frauenfragen" heraus, der sich ausdrücklich auf die Bücher von Eltahawy und Penny bezieht - ohne deren Verve das Wasser reichen zu können.

Vernünftigerweise gibt der Feminist Wengenroth in "thisisitgirl" nicht gönnerhaft den Frauenversteher. Lieber macht er sich über die Verrenkungen seiner Geschlechtsgenossen angesichts der Gender-Troubles lustig. Die Herren der Schöpfung bieten auf der kleinen Bühne in ihren Versuchen, den von allen Debatten unangekränkelten Macho und Möchtegern-Jack-Nicholson zu geben, einen ebenso erbarmungswürdigen Anblick wie als verunsicherte, mittelalte Sensibelchen oder, quasi die männliche Blondinenwitz-Variante, als narzisstische Sportskanonen-Naivlinge.

Andreas Schröder, Laurenz Laufenberg und der tolle Melancholie-Komiker Ulrich Hoppe (als Mischung aus Sigmund Freud und dem berühmten einstigen Schaubühnen-Dramaturgen Dieter Sturm) führen die Varianten unfreiwilliger Komik der Männerwelt fröhlich und angemessen mitleidlos vor. Aber weil Wengenroth ein warmherziger Mensch ist, gönnt er den Männern auch kleine regressive Fluchten, zum Beispiel wenn Hoppe, nur bekleidet mit Lendenschurz und Brustschärpe aus grünen Blättern, verkündet, er sei "Pan, Peter Pan" und traurig hinzufügt: "Das Erwachsenwerden ist so anstrengend, voller Unannehmlichkeiten. Ich habe das nicht bestellt!" Iris Becher als zügig Büchsenbier kippende Psychotherapeutin blickt in den sich in absurden Wiederholungsschleifen verheddernden Therapiesitzungen mit amüsiertem Mitleid und kühlem Forscherinnen-Interesse auf die bedauernswerten Testosteron-Opfer: "Mann sein heißt kaputt sein, und ich finde, dass man auch ein bisschen Verständnis haben kann, wenn die frustriert und verbittert durch die Gegend laufen." Die Betonung liegt auf: ein bisschen.