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Theater:Fotoalbum

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017

"Baumeister Solness" von Katrin Angerer

(Foto: Thomas Aurin)

Die Ära Castorf an der Berliner Volksbühne ist zu Ende. Trost spendet ein praller Abschiedsband, der den furiosen Wahnsinn dieses Theaters konserviert.

Schluss. Aus. Vorbei. Mit der finalen Vorstellung von "Baumeister Solness" (Foto) und einem Straßenfest, bei dem selbst der Himmel weinte, ging letzten Samstag die Ära von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne zu Ende. Nun wird der Kunstkurator Chris Dercon das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz übernehmen. Eine historische Zäsur. 25 Jahre lang haben Castorf und die Seinen das irrste, coolste, radikalste Theater Deutschlands gemacht, hirn- und stilprägend für mehr als nur eine Generation von Theatergängern und Theatermachern, ästhetisch abstrahlend in die ganze Welt. Dieses Theater wurde geliebt wie kein anderes, und dass es damit nun ein für allemal vorbei sein soll, ist schwer zu fassen.

Trost und Erinnerungsglück spendet ein praller Abschiedsband, der - typisch Volksbühne! - als chaotischer Schnellschuss auf den letzten Drücker in limitierter Auflage herauskam: "Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017: Ein Fotoalbum", herausgegeben von Carl Hegemann, Raban Witt und Thomas Aurin (Alexander Verlag Berlin, 19,90 Euro). Der ganze furiose Wahnsinn aus zweieinhalb Jahrzehnten Volksbühne ist hier auf 400 Seiten konserviert, springt einen aus 478 Szenenfotos an. Die meisten stammen von Thomas Aurin, der die künstlerische Arbeit an diesem Theater seit 1993 als Hausfotograf begleitet hat. Da blättert man durch ein Vierteljahrhundert Theatergeschichte: von Castorfs Anfängen am Haus mit den "Räubern" über unvergessene Knaller wie "Endstation Amerika" bis hin zu seinen großen Dostojewski-Erkundungen in den Container-Räumen von Bert Neumann. Fast jede Volksbühnen-Inszenierung ist dokumentiert: die Arbeiten von Christoph Marthaler, die des jungen Christoph Schlingensief, die von René Pollesch, Dimiter Gotscheff, Herbert Fritsch und all den anderen Kombattanten. Texte aus den Leporellos zu den vergangenen Spielzeiten gibt es auch, viele von Chefdenker Carl Hegemann. Aber vor allem ist dieses Fotoalbum eine Wiederbegegnung mit den großartigen Volksbühnen-Schauspielern: Henry Hübchen, Corinna Harfouch, Martin Wuttke, Alexander Scheer, Kathrin Angerer und so viele mehr, bei deren Anblick man seufzen möchte: "Verweile doch, oh Augenblick!"