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The Strokes: Angles:Halt in haltlosen Zeiten

Überall ist etwas, das anderswo schon war. Es war einmal ein neues Album, jetzt sind da nur noch viele alte. Tod durch finale Kontextualisierung. Das ist sehr postmodern, aber eben auch total beknackt. Denn abgesehen davon, dass man sich unter den meisten Verweisen in den seltensten Fällen das Gleiche vorstellen wird wie der Vergleichende, wenn man sie überhaupt zufällig allesamt noch im Ohr hat - abgesehen davon bleibt auch noch die entscheidende Frage unbeantwortet: Was bitte war daran jetzt eigentlich so toll? Denn das ist ja das Strokes-Problem.

Auch die, die wussten, was gespielt wird, waren begeistert. Und sind es immer noch, oder jetzt wenigstens wieder mal. Womit wir bei denen wären, die man Situations-Theoretiker nennen könnte, wenn man damit nicht auch noch den letzten Leser vergraulen würde. Was wir nun tun wollen.

Die Situations-Theoretiker also. Mit den Konstellationsforschern teilen sie die Erkenntnis, dass da im Prinzip nichts bahnbrechend Neues zu hören ist. Im Unterschied zu jenen suchen sie ihre Erklärungen nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Und da wird es interessant. Der Erfolg der Band ist schließlich neu. Und die Begeisterung, den die Musik entfacht, gegenwärtig.

Im Falle des Erfolgs der Strokes im Jahr 2001 geht die große Erzählung dann etwa so, wie sie der Situations-Theoretiker Tobias Rapp im Spiegel erzählte: "Die New Economy war in sich zusammengesunken, da kamen diese fünf Jungs aus New York und sagten: Wir brauchen keine Computer. Uns reichen Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang. Dazu enge Hosen, Chucks-Turnschuhe, abgestoßene Lederjacken, Sonnenbrillen. Vor den Bandnamen setzten sie ein "The". Sie spielten kurze Songs und davon nicht allzu viele. Ihr Sound war direkt, nichts durfte kompliziert sein. Einfachheit war das Konzept: Zahllose Bands folgten."

Wenn das keinen Halt in haltlosen Zeiten verspricht. Der Pop ist die letzte Sphäre der Gegenwart, in der man als Geschichtsphilosoph noch seine Ruhe hat. Retrospektiv bekommt alles wieder einen Sinn verpasst. Hören Sie sich Angles an. Sie werden das Album mögen. Es ist gut. Es ist alles gut.