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The Flintstones: 50. Geburtstag:Missbrauch des Warzenschweins

Yabba Dabba Doo: Widderhörner als Telefon und Kolibris als Fernbedienung - die Familie Feuerstein sprang wenig sensibel mit ihren tierischen Haushaltsgeräten um. Nun wird die Serie 50 Jahre alt.

Jüngst wurde der Neuseeländer Graham Brown von einem Gericht verurteilt, weil er ein Kaninchen an den Ohren durch die Straßen von Auckland geschleppt haben soll. Obwohl Brown betonte, er habe lediglich den Stadtmenschen die Natur ein kleines bisschen näher bringen wollen und jeder Zauberer ziehe doch sein Kaninchen ebenfalls an den Ohren aus dem Zylinder, beschwerten sich Tierschützer über den Mann. Wegen Tierquälerei musste er am Ende 500 neuseeländische Dollar, etwa 270 Euro, Strafe zahlen.

CORDEN FLINTSTONE

Fred Feuerstein, gerade 50 geworden und im Bild mit dem Besitzer seiner Stimme, Henry Corden, wusste den Mangel an Technik in der Steinzeit auszugleichen - dank tierischer Unterstützung.

(Foto: AP)

Die Vermutung liegt nahe, dass der 53 Jahre alte Brown in seiner Kindheit von einem Tierbild geprägt worden ist, wie es in der Zeichentrick-Fernsehserie Familie Feuerstein vermittelt wird. Die Serie, deren erste Folge genau heute vor 50 Jahren zunächst vom amerikanischen Fernsehsender ABC, bald darauf auch in vielen anderen Ländern ausgestrahlt wurde, zeigt beispielsweise den Missbrauch von Vögeln als Plattenspieler, von Mammuts als Staubsauger und von Dinosauriern als Bagger. Derlei entstammte der Phantasie der amerikanischen Comic-Zeichner Joseph Barbera und William Hanna, deren noch viel brutalere Katz- und Maus-Geschichten in den Folgen von "Tom & Jerry" dem Publikum heute nur noch in deutlich entschärften Versionen auf DVD oder im Fernsehen zugemutet werden. Dem internationalen Tierschutz sei dank.

Für die braven, niedlichen Cartoons waren andere zuständig

Andererseits war es gerade dieser Humor, der auch die Flintstones mit 166 Folgen in mehr als 80 Ländern zur erfolgreichsten Zeichentrickserie aller Zeiten machte - zumindest bis die Simpsons sie Ende der neunziger Jahre überholten. Die Idee, den spießigen Alltag des typisch amerikanischen Mittelstandes der fünfziger Jahre in die Steinzeit zu verlegen, hatte nicht nur für Kinder einen erfrischenden Reiz. Bei den Feuersteins fuhr man mit fußbetriebenen Geröllmobilen zum Supermarkt, missbrauchte Warzenschweine als Müllschlucker und Kolibris als TV-Fernbedienung. Man telefonierte mit Widderhörnern und zog Papageien am Schwanz, um den Arbeitstag mit einem weithin hörbaren akustischen Signal zu beenden. Zudem traten Fred Feuerstein und sein Freund Barney Geröllheimer rauchend in Werbespots der Zigarettenfirma Winston auf, verzehrten "Saurierschinkenknacker" und behandelten Frauen auch nicht viel besser als Tiere. Mit ihren Familien feierten sie Weihnachten, obwohl zu ihrer Zeit dazu noch gar kein Anlass bestand.

Die braven und niedlichen Cartoons überließen Hanna und Barbera lieber den Kollegen von Disney, auf deren Studiogelände immer wieder Tiere ausgesetzt wurden - weil man hier besonders tierfreundliche Menschen vermutete. Herrenlose Tiere auf dem Studiogelände der TV-Massenfabrik Hanna und Barbera auszusetzen, das wäre wahrscheinlich dem gleichgekommen, was vor wenigen Tagen in einer ländlichen Schule nördlich von Wellington, abermals Neuseeland, geschah: Dort hatten sich Schüler zu einem geschmacklosen Weitwurfwettbewerb mit toten Beutelratten verabredet. Als völlig zu Recht ein wüster Sturm der Empörung über die Schule hereinbrach, erklärte der Direktor lapidar: Man sei hier auf dem Land, da sei ein solcher Umgang mit Tieren nur natürlich. Welch schlimmen Fernsehprogrammen muss dieser Pädagoge in seiner Kindheit ausgesetzt gewesen sein? Man kann es nur erahnen.