Das Pina Bausch Archiv geht online:Tanzschätze

Stiftung für Tanzkunst-Erbe Bauschs gegründet

Die 2009 verstorbene Choreografin und Gründerin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch im Jahr 2008.

(Foto: dpa)

Ab dem 18. November sollen erstmals Materialien aus dem umfangreichen Archiv der Choreografin und Tanztheater-Gründerin Pina Bausch, das allein über 300 000 Fotografien und 9000 Videos umfasst, im Internet präsentiert werden.

Von Dorion Weickmann

In Sachen Pina Bausch geht es in Wuppertal momentan Schlag auf Schlag. Beim Tanztheater feiert am Wochenende "Ectopia" Premiere, ein Ausnahmeprojekt, das in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Richard Siegal, dem Starkünstler Anish Kapoor und dem Komponisten Alva Noto entstand. Was die Zukunft betrifft, wurde mit Boris Charmatz gerade ein neuer Intendant für die Truppe bestellt - der erste Künstler, der seit Pina Bauschs Tod 2009 an die Spitze des Ensembles tritt (SZ vom 22.10.). Und schon meldet die Stadt eine weitere Leitungspersonalie: Während der Vorlaufphase des geplanten Pina Bausch Zentrums, das im ehemaligen Schauspielhaus unterkommen soll, übernimmt die politerfahrene Kuratorin Bettina Milz die Koordination sämtlicher Aktivitäten. Nicht zuletzt scheint auch dem seit über zehn Jahren laufenden Vorhaben, die Tanztheater-Archivalien aus der Bausch-Ära aufzuarbeiten und online zugänglich zu machen, ein Happy End beschieden.

Für den 18. November kündigt die Pina Bausch Stiftung, die sämtliche Rechte am Werk der Choreografin innehat, eine neue Website an. Wie es in der Pressemitteilung heißt, sollen damit "erstmals Materialien aus dem umfangreichen Pina Bausch Archiv, das allein über 300 000 Fotografien und 9000 Videos umfasst", via Internet präsentiert werden. Unter dem Vorsitz von Salomon Bausch will die Stiftung das Erbe der Tanztheater-Gründerin dann Zug um Zug weltweit verfügbar machen - was freilich noch etliche Jahre dauern dürfte angesichts eines Œuvres, das über vierzig Stücke umfasst.

Die Zeitreise beginnt mit vorerst drei Stücken: "Fritz", "Café Müller" und "Palermo, Palermo" kamen zwischen 1974 und 1989 heraus und sind Meilensteine des Repertoires. Wer je Pina Bauschs somnambulen Auftritt in "Café Müller" gesehen hat, wird ihn nie vergessen - und bekommt nun die Chance auf ein Wiedersehen im Netz. Spannend ist auch die Struktur des Digitalarchivs, das an die Homepage der Stiftung unter pinabausch.org angedockt wird: In Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt wurde eine Datentechnologie entwickelt, mit der sich die Bestände von einem beliebigen Punkt aus erschließen lassen. Ein Verfahren, das Bauschs vielschichtiger Inszenierungspraxis entspricht und den Vorteil hat, dass der User sich vom Notizbuch bis zur Aufzeichnung etappenweise durchklicken kann. Wenn das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch 2023 seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, werden also hoffentlich etliche seiner historischen Tanzschätze von überall her zu bestaunen sein.

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