Münchner Drehorte Das Hotel Bayerischer Hof als Filmkulisse

Der Schauspieler Kostja Ullmann kämpft sich durch den Alltag eines Hotelangestellten.

(Foto: Studiocanal)

Der Kinofilm "Mein Blind Date mit dem Leben" spielt in der Hotellerie. Gedreht wurde im Bayerischen Hof - in der Lobby, den Zimmern, der Küche. Die zauberhafteste cineastische Wandlung erfährt die Falk's Bar im Herzen des Hotels.

Von Susanne Hermanski

Jedes Hotel ist Kulisse. Das Davor gehört den Gästen, im Dahinter wirken die Angestellten. Meist weitgehend unsichtbar, halten sie diese wundersame Maschinerie aus Küche, Floristik, Weinkellern und so weiter am Laufen. Sobald sich die Tür zum Speisesaal, des Spas oder des Gästelifts öffnet, treten auch sie ins Scheinwerferlicht, bewegen sich flink, fließend und nach Kräften formvollendet.

Zumindest in Fünf-Sterne-Häusern ist das so, in alten, gut gepflegten Grandhotels allemal. Nur folgerichtig gibt es viele Filme und Serien (von "Menschen im Hotel" über "Shining" bis "Adlon"), die im Hotel spielen. Menschliche Dramen ereignen sich in deren Mikrokosmos am laufenden Band: Hochzeitsnächte, Debütantenbälle, Barbekanntschaften, Ehekrisen, Geschäftsabschlüsse, Selbstmordversuche.

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"Mein Blind Date mit dem Leben" gehört zu jenen Filmen, die sich auf das konzentrieren, was hinter den Kulissen eines Hotels geschieht. Im Mittelpunkt des Plots steht der junge Saliya Kahawatte, gespielt von Kostja Ullmann. Er ist wild entschlossen, einer dieser flinken, eleganten Burschen zu werden, einen dieser Riesendampfer genannt Hotel mitzubewegen.

Allerdings bringt er ein massives Handicap mit: Er ist als Jugendlicher beinahe erblindet, sein Sehvermögen extrem eingeschränkt, der Zustand ist unheilbar. Saliya bewirbt sich trotzdem - in einem der namhaftesten Häuser des Landes. Wie er seine Behinderung verbirgt, wer ihm dabei hilft, die im wahrsten Sinne zu überspielen, wie er am Ende trotz tragischer Zwischenfälle sogar noch seine große Liebe findet, das erzählt die Komödie, die Anfang 2017 in die Kinos kam.

Gedreht haben den Film der Regisseur Marc Rothemund und sein Kameramann Bernhard Jasper zu einem Großteil im Bayerischen Hof in München. Die wahre Geschichte, nach der das Drehbuch entstanden ist, ereignete sich unterdessen in einem Hotel in Niedersachsen. Denn diesen Saliya Kahawatte gibt es wirklich, das Buch, das er über sein Leben geschrieben hat, diente als Vorlage fürs Drehbuch von "Mein Blind Date".

Dessen Szenerie führt an verschiedene Orte im Bayerischen Hof. Auch in die Lobby, die Zimmer, die Küche und die Lieferantenzugänge. Die zauberhafteste cineastische Wandlung erfährt aber die Falk's Bar, dieses funkelnde Kleinod im Bauch des "Hofs", wie die echten Mitarbeiter das Haus knapp und stolz nennen. Falk's Bar erscheint im Film als Teil eines größeren Restaurantbereichs, in dem der Held des Films einen der schlimmsten Momente seiner Laufbahn erlebt. Weil er kaum sieht, was er tut, und zudem unkonzentriert ist, schlägt er eine Schneise der Verwüstung durch die festlich eingedeckten Tische mit all den mühsam polierten Weingläsern, Bestecken und exquisiten Speisen. In der Folge fliegt er um ein Haar aus seiner Lehre.

Ein Mitarbeiter strahlt Gelassenheit hinterm Tresen von Falk's Bar aus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Falk's Bar mit ihren üppigen, historischen Stuckverzierungen, den vielen Spiegeln und dem wechselnd illuminierten, scheinbar schwebendem Tresen ist in der Realität ein deutlich kleinerer Ort. Seine eigene, wahre Geschichte hat Qualitäten fürs ganz große Kino. Manchmal erzählt sie Innegrit Volkhardt, heutige Besitzerin, Chefin und vielfache Hotelière des Jahres. Es war das Jahr 1944, als Falk Volkhardt, der später Innegrits Vater werden sollte, verwundet aus dem Krieg zurückkam.

Er ging den Promenadeplatz hinauf, wollte nur nach Hause, zu den Eltern ins Hotel, das seiner Familie schon seit Ende des vergangenen Jahrhunderts gehörte. Doch an dessen Stelle sah er nichts als Trümmer, Staub und Asche. Ein Bombenangriff im April hatte das stolze Luxusgebäude, das sich damals schon über den halben Straßenzug erstreckte, in Schutt verwandelt. Wo waren seine Eltern? Der 19-Jährige entdeckte an einem Mauerrest einen Zettel: "Wir leben noch."

Falks Vater sagt beim Wiedersehen: "Es ist besser, unser Hotel ist kaputt, als du wärst nicht aus dem Krieg zurückgekommen." Und kaputt ist nicht alles. Als die Volkhardts und drei ihrer treuen Mitarbeiter mit dem Wiederaufbau beginnen, traut Falk seinen Augen kaum. Als einige der größten Trümmer beseitigt sind, liegt er vor ihm: Der stuckverzierte Spiegelsaal des Hotels aus dem 19. Jahrhundert. Beim Angriff der Alliierten ist er beinahe unversehrt geblieben.

Am 22. Oktober 1945 wird dieser "Spiegelsaal im Bayerischen Hof" als erstes Speiselokal der Innenstadt wiedereröffnet. Die Gäste bahnen sich ihren Weg da noch durch Schutt. Doch die Kellner balancieren ihre Tabletts wie ehedem zwischen den Tischen hindurch. Schnell entwickelt sich dieser Ort zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Später gibt es andere Bars und Restaurants in dem Hotel. Doch nachdem Falk im Jahr 2000 stirbt, eröffnet seine Tochter zwei Jahre später den Spiegelsaal neu. Unter dem Namen Falk's Bar. Ein großer Tresen steht nun dort im Zentrum all der Spiegel. Dahinter stehen die eleganten Bar-Männer und -Frauen in weißen Jacketts, davor die Gäste, die nur ganz, ganz selten einmal aus der Rolle fallen.

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