bedeckt München 22°
vgwortpixel

Streaming-Filmpremiere "Waterproof":Profis mit Rohrzange

Film Waterproof

Hausfrauen in Amman dürfen keine Handwerker in die Wohnung lassen, deshalb gibt es jetzt erfolgreiche Handwerkerinnen: Szene aus "Waterproof".

(Foto: Verleih)

Die Dokumentation "Waterproof" von Daniela König zeigt Jordanierinnen, die als Klempnerinnen erfolgreich sind.

Um trotz geschlossener Kinos ihre aktuellen Filme zeigen zu können, verlegen etliche Verleiher sie auf Streamingplattformen. So auch Rise and Shine Cinema, die über die Plattform Vimeo die hervorragende Dokumentation "Waterproof" über selbständig arbeitende Frauen in Jordanien anbieten. Der Film ist vorerst bis zum 15. April dort zu sehen und kostet 9,99 Euro. Die Einnahmen werden mit Programmkinos geteilt, um deren Ausfälle zu mildern.

Der Anfang hat Tempo. Khawla, blonde Mähne, sitzt mit zwei verschleierten Kolleginnen im Auto und fährt durch die Stadt. Sie frotzeln sich an, rauchen durchs offene Fenster, singen einen Schlager. Ziel ist ein Mietshaus, auf dessen Dach ein Wassertank gereinigt werden muss. Und während die drei ihre Köpfe über dem großen Blechkasten zusammenstecken, um zu fachsimpeln, wird klar: Die Frauen sind Klempnerinnen. Dann gehen sie zu Werk, die Kamera schaut derweil vom Dach weit über Amman, als wäre sie in einem Western und wolle zeigen: Das alles gehört zum Reich dieser Frauen.

Tatsächlich öffnet der Beruf ihnen die Türen der Stadt. Hier dürfen muslimische Frauen nicht mit fremden Männern allein in einer Wohnung sein, was ungünstig ist, wenn mal ein Handwerker gebraucht wird. Also ließ Khawla sich zur Klempnerin ausbilden, zu einer der ersten in Jordanien, denn weibliche Handwerker dürfen die Hausfrauen jederzeit einlassen. Entsprechend groß wurde die Nachfrage, also hat Khawla noch weitere Frauen als Klempnerinnen rekrutiert. Jetzt verbringen auch ihre Freundinnen die Tage mit dem Werkzeugkasten außer Haus.

Daniela Königs Dokumentation "Waterproof" begleitet die Frauen zu Reparaturen, geht mit ihnen in Bäder und Küchen, auf Dächer und Terrassen. Sie zeigt, wie bei ihrem professionellen Auftritt immer der Stolz der Selbstbestimmung hervorblitzt, den die Kundinnen sofort verstehen. Aber für den Film hat ihr Job noch einen anderen Vorteil: Man sieht private Innenräume, zu denen Außenstehende sonst selten Zugang haben. Dazu gehören auch die Haushalte der Hauptfiguren selbst. Oft trifft man sie in ihren üppig dekorierten Wohnzimmern, im Gespräch miteinander, mit Kindern oder Ehemann. Da merkt man, dass sie nicht etwa rebellisch leben. Sie haben, wie alle anderen, eine Familie zu Hause, nur dass die Familie ihre Emanzipation unterstützt.

Waterproof, D 2019 - Regie und Buch: Daniela König. Kamera: Patrick Richter. Auf Vimeo.com (Rise and Shine Cinema), 88 Minuten.

© SZ vom 25.03.2020
Zur SZ-Startseite